Vegane Mode leichter erkennen mit dem PETA-Approved Vegan Siegel

Die Trendbewegung des Veganismus in den letzten zehn Jahren hat nicht nur unser Verständnis von Ernährung verändert, sondern auch in der Modeindustrie Fuß gefasst. Besonders jüngere Generationen legen immer mehr Wert auf Alternativen zu tierischen Produkten. Die internationale Tierschutzorganisation PETA hat deshalb ein Siegel ins Leben gerufen, dass vegane Kleidung leicht erkennbar machen soll: Das PETA-Approved Vegan Siegel.
Text von Maya Classen
6/2/2021
PETA-Approved VeganPETA-Approved Vegan

Der Name der 1980 gegründeten Organisation PETA ist ein Akronym und steht für „People for the Ethical Treatment of Animals“, die Organisation setzt sich also für die ethische Behandlung von Tieren ein. Was damit gemeint ist, macht PETA mit aufsehenerregenden Aktionen und Kampagnen klar. Sie stehen für Artenvielfalt, Tierwohl und Rechte von Tieren ein und positionieren sich deutlich gegen Tierversuche, Missbrauch und das generelle Nutzen von Tieren, sei es als Nahrung oder in Form von Unterhaltung. Deshalb setzt sich PETA auch aktiv in der Modebranche gegen den Gebrauch von tierischen Produkten, wie zum Beispiel Pelz und Leder, ein. Das PETA-Approved Vegan Siegel wurde eingeführt, um KonsumentInnen die Wahl von sogenannter tierleidfreier Kleidung bei der Kaufentscheidung zu erleichtern.

 

Was bedeutet das PETA-Approved Vegan Siegel?

 

Das „PETA-Approved Vegan“ zeichnet vegane Produkte oder Unternehmen aus, die auf das Verwenden von tierischen Produkten verzichten. So soll es für KonsumentInnen leichter erkennbar sein, welche Kleidung, Schuhe oder Accessoires frei von Tierleid sind, aber auch gleichzeitig das allgemeine Bewusstsein steigern und die Verbreitung von veganer Mode fördern.

Unternehmen, die sich zertifizieren lassen wollen, können dies entweder für bestimmte Produkte tun, für gesamte Kollektionen oder aber auch für das ganze Unternehmen. Der Weg zur PETA-Approved Vegan- Zertifizierung ist im Vergleich zu anderen Siegeln denkbar einfach: Unternehmen müssen online Fragen zum Produkt beantworten und eine Zuverlässigkeitsversicherung unterschreiben, in der sie bestätigen, dass das Siegel ausschließlich für vegane Produkte verwendet wird. Diese Zuverlässigkeitsversicherung muss zusätzlich noch von allen Lieferanten und Produzenten des Unternehmens, die an den Produkten oder Kollektionen beteiligt sind, unterschrieben werden. Sobald die Bewerbung von PETA akzeptiert und die Lizenzverträge unterschrieben wurden, darf das PETA-Approved Vegan Siegel verwendet werden.

 

Tierische Produkte in der Textilindustrie

 

PETAs Ziel ist es tierische Produkte aus der Textilindustrie langfristig zu verbannen. Über die letzten 40 Jahre hat die Organisation immer wieder die brutalen Praktiken in der Industrie aufgedeckt und gezeigt, dass die heutige Massentierhaltung und die damit einhergehenden Lebensbedingungen der Tiere nicht mit einer nachhaltigen Modeindustrie vereinbar sind. Immer mehr Unternehmen verzichten deshalb auf tierische Materialien und setzen auf Alternativen, wie zum Beispiel Kunstpelz oder veganes Leder. Zuletzt hat auch das Modehaus Valentino angekündigt, dass ab 2022 alle Kollektionen frei von tierischen Pelzen sein werden. Welche tierischen Produkte am häufigsten in der Textilindustrie verwendet werden, haben wir hier zusammengefasst.

 

1. Pelz

Pelz stammt häufig von Pelzfarmen, wo Tiere meist ihr gesamtes Leben auf engem Raum in Gitterkäfigen verbringen, bis sie am Ende für ihren Pelz getötet werden. In den Schlagzeilen war die Pelzindustrie zuletzt Ende 2020, als aufgrund von Corona-Infektionen der gesamte Bestand an Zuchtnerzen in Dänemark auf Geheiß der Regierung getötet werden mussten. PETA fordert, dass sämtliche Pelzfarmen geschlossen werden. In einer ihrer ältesten Kampagnen „Rather Go Naked Than Wear Fur“ protestieren AktivistInnen und Prominente seit 1992 gegen die Nutzung von Pelz.

 

2. Leder und exotische Häute

Leder wird als robustes Material vor allem für Schuhe und Taschen sehr geschätzt. Dass Tiere für die Produktion nicht nur leiden, sondern auch sterben müssen, macht es für PETA untragbar. Deshalb ist es umso erfreulicher, dass der Markt für veganes Leder in den letzten Jahren immer mehr wächst. Inzwischen kann man Schuhe aus Ananasleder und Handtaschen aus Pilzleder kaufen – auch große Designlabels wie Stella McCartney und Vivienne Westwood machen den Trend mit. Gleichzeitig verzichten immer mehr Modehäuser, beispielsweise Chanel oder Karl Lagerfeld, auf den Gebrauch von exotischen Häuten wie Krokodil- oder Schlangenleder.

 

3. Wolle

Wolle wird oft als harmlos betrachtet, weil dem Tier beim Scheren nicht offensichtlich geschadet wird. Durch die Massenzucht und -produktion kann man aber leider auch hier nicht unbedingt von einem tierfreundlichen Material sprechen. Oft werden die Tiere beim Scheren verletzt, weil in Akkordzeit gearbeitet wird (ArbeiterInnen werden meistens pro Kilo Wolle und nicht für ihre Arbeitszeit bezahlt) und die meisten Schafe sind so gezüchtet, dass sie eine unnatürliche Menge an Wolle produzieren. Das führt in Produktionsländern wie Australien dazu, dass Tiere auch an der Hitze sterben können oder Fliegen Eier in die Hautfalten der Schafe ablegen, wo sich der Schweiß sammelt.

Um dies zu verhindern, wird auch heute noch vor allem für Merinowolle von „Mulesing“ Gebrauch gemacht. Dabei wird den Tieren Haut vor allem an den Hinterbeinen und rund um den After entfernt, um glatte, vernarbte Haut zu bekommen, auf die Fliegen keine Eier ablegen können. Durch mangelnde Nachversorgung der Wunden bilden diese neue Brutstätten und viele Tiere sterben an dem Befall der Fliegen, deren Larven sich von ihrem Wirt ernähren (sogenannte Myiasis).

 

4. Angorawolle

Angorawolle wird aus dem Fell von Angorakaninchen gewonnen, die wie auf Pelzfarmen in engen Käfigen gehalten werden. Der Großteil der Angorawolle kommt aus China, wo es keine Strafe für die Misshandlung von Farmtieren und grundsätzlich noch keine ausreichenden Tierschutzgesetze gibt. Aufgrund der grausamen Haltung und Umgang mit den Tieren fordert PETA auch hier Unternehmen dazu auf, komplett auf den Gebrauch von Angorawolle zu verzichten.

 

5. Mohair-Wolle

Mohair-Wolle stammt von der Angoraziege und wird deshalb oft mit Angorawolle verwechselt. Wie auch Angorakaninchen sind Angoraziegen Beutetiere, für die das Fixieren und Scheren großen Stress und Angst auslöst. Angoraziegen sind auf ihre Wolle noch mehr angewiesen als Schafe, da sie nicht dieselbe Fettschicht haben, die sie vor Kälte und Witterung schützt. In den Wintermonaten sterben viele Ziegen nach dem Scheren an Lungenentzündungen. Auch in dieser Industrie werden ArbeiterInnen meist nach Wollmenge und nicht nach Zeit bezahlt, was zu Unachtsamkeit und Verletzungen der Tiere führt. Mit den Nachforschungen von PETA Asien hat die Organisation auch furchtbare Zustände auf südafrikanischen Farmen aufgedeckt. Südafrika ist der Hauptproduzent von Mohair-Wolle weltweit.

 

6. Kaschmir

Kaschmir wird aus der Unterwolle von Kaschmirziegen gemacht und kommt hauptsächlich aus China und der Mongolei. Auch Kaschmirziegen geht es nicht besser als Angoraziegen: Wird die Unterwolle entfernt, leiden sie unter Kälte und Witterung. Zusätzlich fehlt es ihnen auch an legalem Schutz vor Misshandlungen in China.

 

7. Daunen

Daunen werden in der Modeindustrie vor allem für das Füttern von Winterjacken verwendet, weil sie besonders gut isolieren und gleichzeitig sehr leicht sind. Sie bilden das sogenannte Unterkleid von Enten und Gänsen und werden den Tieren mehrmals im Jahr ausgerupft. Nicht selten sind die Tiere dabei noch bei Bewusstsein.

 

8. Seide

Dass Seide aus den Kokons von Seidenraupen gewonnen wird, ist vermutlich den meisten bekannt. Dass die Seidenraupen bei der Produktion sterben, ist weniger bekannt. Der Grund dafür ist das frühzeitige Abkochen der Kokons, bevor die Raupe als Falter schlüpfen kann. So wird verhindert, dass der Kokon, also die Seidenfaser, durchbrochen wird.

 

Die Stärken und Schwächen des PETA-Approved Vegan Siegels

 

Der Erfolg des PETA-Approved Vegan Siegels liegt in seiner Einfachheit. Was vegan bedeutet wissen inzwischen die meisten Menschen und somit ist das Siegel auch leicht verständlich: ein als vegan ausgezeichnetes Produkt darf keine tierischen Bestandteile haben. Auch für Unternehmen ist das Siegel leicht zugänglich: Der Bewerbungsprozess ist denkbar einfach und die Lizenzgebühren sind so gestaffelt, dass auch kleine Unternehmen es sich leisten können, sich zertifizieren zu lassen.

Es gibt aber auch Aspekte, in denen die Einfachheit des PETA-Approved Vegan Siegels im Vergleich zu anderen Zertifizierungen, wie zum Beispiel Fairtrade oder GOTS, kritisiert werden kann. Unternehmen und ihre Zulieferungskette müssen keinen Auditierungen zustimmen, was bedeutet, dass die Zertifizierung auf dem Vertrauen basiert, dass alle Beteiligten die Wahrheit sagen. Jedes Siegel hat einen speziellen Bereich, den es auszeichnet, aber während Fairtrade auch Umweltaspekte berücksichtigt und GOTS neben biologischer Landwirtschaft auch das Einhalten von Arbeitsrechten voraussetzt, hat PETA-Approved Vegan nur eine einzige Anforderung: Das Produkt muss vegan sein.

Daraus kann man PETA zwar keinen Vorwurf machen, schließlich setzt sich die Organisation für den Schutz und die Rechte von Tieren ein, aber KonsumentInnen müssen sich darüber im Klaren sein, dass andere wichtige Bereiche für den Erhalt dieses Siegels nicht berücksichtigt werden.