Das steckt hinter dem GOTS Siegel

Nachhaltige Mode auf einen Blick erkennen - das wünschen sich viele. Siegel sollen dem Abhilfe schaffen: Eines der Bekanntesten in der Textilindustrie ist das Siegel des Global Organic Textile Standard’s (GOTS), das weltweit anerkannt ist und Auskunft über die Umwelt- und Arbeitsbedingungen in der Wertschöpfungskette geben soll.
Text von Maya Classen
5/27/2021
GOTS SiegelGOTS Siegel

Was ist das GOTS Siegel?

 

Das GOTS (= Global Organic Textile Standard) Siegel ist eine Auszeichnung für textile Produkte, die zu mindestens 70% aus biologischen Naturfasern bestehen und unter der Einhaltung von strengen ökologischen und sozialen Anforderungen produziert wurden. Der GOTS stellt klare Parameter für einzelne Produktionsschritte auf, die vorgeben, welche Verfahren und Substanzen (z.B. Chemikalien oder Färbemittel) erlaubt sind. Ziel ist es, die Umweltbelastung in jedem Schritt der Produktionskette auf ein Minimum zu reduzieren und die Textilindustrie langfristig für Natur und Mensch zu verbessern.

Prinzipiell können nur Produkte das GOTS Siegel erhalten, die aus textilen Fasern bestehen. Darunter fallen Garn, Stoffe und Kleidung, aber auch Möbelbezüge und Matratzen. Die Ausnahme bilden Waren, die normalerweise nicht als Textilprodukt klassifiziert werden, jedoch einen textilen Bestandteil haben, der GOTS zertifiziert werden kann, wie zum Beispiel Kinderwägen.

Die Version 6.0 ist die aktuellste Version des GOTS und ist im März 2021 in Kraft getreten. Um das GOTS Siegel zu erhalten, müssen alle Kriterien des Standards erfüllt werden. Dabei kann man in ökologische und soziale Anforderungen unterscheiden.

 

Ökologische Anforderungen

 

Der GOTS umfasst beinahe die gesamte Wertschöpfungskette – nur der erste Schritt, nämlich der Anbau der Naturfasern, ist nicht enthalten. Das bedeutet natürlich nicht, dass dieser Schritt einfach ignoriert wird. Um das GOTS Siegel zu erhalten, werden nur Naturfasern aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA), kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT), oder kbA/kbT in Umstellung erlaubt, die einem Standard der IFOAM Family of Standards entsprechen müssen.

 

Materialzusammensetzung

 

Damit ein Produkt das GOTS Siegel bekommen kann, müssen die GOTS Kriterien erfüllt sein. Dazu gehört, dass es mindestens zu 70% aus biologisch erzeugten Naturfasern bestehen muss. Seit 2020 wird der genaue Anteil auf dem Produktlabel klar gekennzeichnet. Es gibt insgesamt drei verschiedene Abstufungen des GOTS Siegels:

 

1. Organic

Nur Produkte aus mindestens 95% biologisch erzeugten Naturfasern dürfen mit dem Logo und der Bezeichnung „Organic” bzw. “kbA/kbT” versehen werden.

 

2. Made with x% organic materials

Textilprodukte, die aus 70-94% biologisch erzeugten Naturfasern bestehen, erhalten die Bezeichnung „Made with X % organic materials” bzw. „hergestellt aus x% kbA/kbT-Fasern”.

 

3. In conversion

„In conversion” bzw. „in Umstellung” steht immer in Ergänzung zu einer der ersten beiden Kennzeichnungen. Diese Ergänzung soll dazu dienen, dass auch landwirtschaftliche Praktiken unterstützt werden, die gerade dabei sind, auf kontrolliert biologische Landwirtschaft umzustellen. Naturfasern aus Landwirtschaft in Umstellung müssen allerdings separat von Naturfasern aus kbA/kbT verarbeitet werden.

Besteht ein Kleidungsstück aus Mischmaterialien, z.B. aus einem Baumwolle-Wolle-Gemisch, muss außerdem klar angegeben werden, welches der Materialien GOTS zertifiziert ist.

 

Chemische Zusatzstoffe

 

Zu den Anforderungen des GOTS zählt auch eine lange Liste an chemischen Substanzen, die in der herkömmlichen Textilverarbeitung zwar benutzt werden, für GOTS zertifizierte Textilien in der gesamten Lieferkette jedoch verboten sind und der Gebrauch stark eingeschränkt ist. Dabei gilt es die Umwelt, aber auch die ArbeiterInnen vor gefährlichen Chemikalien zu schützen, die langfristig Natur und Gesundheit schädigen.

 

Soziale Mindestanforderungen

 

Der GOTS orientiert sich an den Kernnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) der Vereinten Nationen und haben folgende Mindestanforderungen aufgestellt:

  • Zwangsarbeit ist verboten; die Beschäftigung findet freiwillig statt.
  • Es gilt die Vereinigungsfreiheit. ArbeiterInnen haben das Recht auf Tarifverhandlungen und Gewerkschaften zu bilden bzw. beizutreten.
  • Kinderarbeit ist verboten.
  • Diskriminierung ist verboten.
  • Es herrschen sichere und hygienische Arbeitsbedingungen. Dazu gehört beispielsweise das Bereitstellen von Schutzausrüstung, der Zugang zu sauberen Toiletten und kostenloses Trinkwasser.
  • Grobe und inhumane Behandlung ist verboten. Dazu zählen u.a. Gewalt, sexuelle Belästigung oder Mobbing.
  • Die Entlohnung muss dem national gesetzlichen oder Industrie-Standard entsprechen (je nach dem welcher höher ist) und muss reichen, um die Grundbedürfnisse zu erfüllen.
  • Die Arbeitszeiten müssen dem nationalen oder Branchenstandard entsprechen, je nachdem, welcher den besseren Schutz für ArbeitnehmerInnen bietet.
  • Die Arbeit unterliegt klaren und rechtsgültigen Arbeitsverhältnissen.
  • Die Gleichbehandlung von WanderarbeiterInnen und lokalen ArbeiterInnen muss gewährleistet werden.
  • Unternehmen verpflichten sich, die Sozialkriterien umzusetzen und deren Einhaltung zu überprüfen.

 

Woran erkenne ich, ob das GOTS Siegel echt ist?

 

Nicht jede*r darf das GOTS Siegel benutzen. Neben den oben genannten Kriterien und dem Mindestanteil von 70% kbA/kbT-Fasern, müssen alle Schritte ab der Ernte der Naturfaser von GOTS anerkannten, unabhängigen PrüferInnen zertifiziert werden. Sowohl das Produkt selber als auch alle beteiligten Verarbeitungsstätten und HändlerInnen müssen sich jährlichen Inspektionen unterziehen und zertifiziert werden. Verstöße und Missbrauch des Siegels können strafrechtlich verfolgt werden. Das Siegel bietet außerdem auch hohe Transparenz für KonsumentInnen: nicht nur der Anteil an biologischen Naturfasern wird angegeben, sondern auch wer das Produkt zertifiziert hat und die Lizenznummer des (letzten) zertifizierten Betriebs. Wer also in einem Geschäft ein T-Shirt mit dem GOTS Siegel kauft, sollte anhand der gegebenen Informationen auf der GOTS Website den Namen des Zertifizierers finden und unter der Lizenznummer das Einzelhandelsunternehmen, von dem das T-Shirt erworben wurde.

 

Warum ist das GOTS Siegel wichtig?

 

Natürlich bedeutet das jetzt nicht, dass alles, was du ab jetzt kaufst, ein GOTS Siegel haben muss. Wie sehr und auf welche Siegel man achten möchte, ist jeder und jedem selbst überlassen. Man muss sich außerdem im Klaren sein, dass für Siegel wie das GOTS Siegel Lizenzgebühren anfallen, die sich vor allem kleine Unternehmen am Anfang noch gar nicht leisten können, obwohl sie die Kriterien vielleicht schon erfüllen würden. Dennoch sind weltweit anerkannte Siegel wie GOTS oder Fairtrade wichtige Maßnahmen, um die Umwelt- und Arbeitsbedingungen entlang der Wertschöpfungskette langfristig zu verbessern und Unternehmen in die Verantwortung zu ziehen.