Kapok - alles, was du über das Material wissen musst

Die Fasern des Kapokbaumes waren lange vergessen, heute werden sie gerne als Füllmaterial eingesetzt. Neuartige Spinnverfahren ermöglichen mittlerweile auch umweltfreundliche Mischgewebe aus der leichten Pflanzendaune.
Text von Salome Kern
11/26/2021
KapokKapok

Was ist Kapok?

 

Der Kapokbaum – auch Ceiba pentandra – ist ein Kind der Sonne: Er wächst vorwiegend in den Tropen Mittel- und Südamerikas, wie auch in West- und Zentralafrika. Mit einer Wuchshöhe von bis zu 75 Meter gehört er zu den größten Bäumen des Regenwaldes. Der auch als Wollbaum bezeichnete Kapokbaum liefert Kapokfasern, die in der Textilindustrie genutzt werden.

Die Kapokfasern umhüllen die rund 20 Zentimeter langen Kapselfrüchte – ähnlich wie auch die Baumwolle gleichen sie Watte. Sie bilden ein weiches Haarbett für die schwarzen Samen des Baumes. Um ein Kilogramm der Naturfaser zu produzieren, werden etwa 250 Kapselfrüchte benötigt. Pro Jahr wirft ein durchschnittlicher Ceiba pentandra rund 20 Kilogramm Kapokfasern ab.

 

Für was wird Kapok verwendet?

 

Seit langem werden die Hohlfasern als Füllmaterial eingesetzt und bieten eine echte pflanzliche Alternative zu tierischen Daunen. Der hohe Anteil an Hohlräumen, die mit Luft gefüllt sind, macht die Faser zu einer der leichtesten Pflanzenfasern mit hohem Kuschelfaktor. Diese geringe Dichte bringt Vor- und Nachteile mit sich.

So sorgt sie dafür, dass Kapok atmungsaktiv ist und die Wärme optimal speichern und dadurch die Temperatur angenehm regulieren kann. Und eine Wachsschicht, die die Fasern überzieht, macht sie wasserabweisend. Ein Nachteil: Kapokfasern sind wegen der Hohlräume leicht entflammbar. Deshalb wird die Faser häufig mit anderen Materialien gemischt, um die Entflammbarkeit abzuschwächen.

Lange galten Kapokfasern als nicht verspinnbar, da sie eher fusselig statt fest sind. Aus diesem Grund wurden die Fasern vorwiegend als Füllmaterial in Schwimmwesten und Rettungsringen eingesetzt. Als dann im 20. Jahrhundert die synthetischen Fasern boomten, verschwand Kapok in der Versenkung. Erst als pflanzliche Füllung für Matratzen, Bettdecken oder Kissen kehrte Kapok peu à peu zurück. Es hieß, dass sich Kapok besonders für Allergiker eigne, da die Pflanzen wegen des natürlichen, pflanzeneigenen Bitterstoffes Milben verhindere. Für diese Behauptung gibt es allerdings keine wissenschaftlichen Belege.

Welche ökologischen, sozialen und ethischen Auswirkungen hat Kapok?

 

Kapok ist eine umweltfreundliche Alternative zu Polyester und Co.: Die Faser kommt aus der Natur und benötigt auch keine chemische Nachbehandlung, was sie vollständig biologisch abbaubar macht. (Das sind die Auswirkungen von Polyester) Überhaupt ist der Kapokbaum, der bis zu 60 Meter hoch werden kann, ein umweltschonendes Gewächs: Für die Ernte wird kein schweres Gerät eingesetzt und er braucht weder Bewässerung noch Düngemittel oder Pestizide.

Kapok wird nicht auf Plantagen angebaut, die tropischen Bäume wachsen wild – vorwiegend in den Urwaldregionen Asiens und Lateinamerikas. Der Anteil der Kapokfasern auf dem Markt ist noch gering, daher hält sich bislang auch die Landausbeutung in Grenzen. Die Ernte ist ein aufwendiger Prozess: Die Fruchtkapseln werden von Hand geerntet, geöffnet, an der Sonne getrocknet und anschließend in einer Gebläsekammer von den Samen getrennt.

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Auf was solltest du achten?

 

Für die Bäuerinnen und Bauern sichert der Ertrag aus der Ernte den Lebensunterhalt. Dadurch sind Kapokbäume extrem wertvoll für die lokale Wirtschaft. Fairtrade-Initiativen ermöglichen faire Preise und damit existenzsichernde Löhne für die Community. (Das ist die Bedeutung des Fairtrade Siegels) Es ist enorm wichtig, auch bei Kapok auf faire LieferantInnen zu setzen, um Kinderarbeit sowie sonstigen Arbeitsmissbrauch zu verhindern.

Welche Marken nutzen das Material und für was?

 

Aufgrund der Weichheit können die Kapokfasern nicht alleine eingesetzt werden. 2006 entwickelte das auf Garne und Zwirne spezialisierte Unternehmen Gebr. Otto im Baden-Württembergischen Dietenheim eine neue Spinntechnologie, mit der Kapokfasern in einer 15:85 Mischung mit Baumwolle versponnen werden können. Das Resultat wird unter dem Namen Piumafil® vertrieben.

Mittlerweile gibt es auch Gewebe, das aus einem Gemisch von Kapokfasern und Polyester-Fasern besteht. PrimaLoft® Silver Insulation Natural Blend heißt das Isolationsmaterial der Firma Primaloft und enthält 30 Prozent Kapokfasern sowie 70 Prozent Polyesterfasern. Die Polyesterfasern werden zu zwei Drittel aus recycelten PET-Flaschen hergestellt. Derzeit ist es Primaloft noch nicht möglich, den Kapok-Anteil mit 100 Prozent recyceltem Polyester zu mischen. Die Outdoorbrand VAUDE hat die Kapokmischung von Primaloft als Füllung für ihre Jacken in der Winterkollektion 2018/19 eingesetzt. Ein Schritt in die richtige Richtung. Ein Problem ist nur, dass der Mix aus Kapok und Polyester nicht biologisch abbaubar ist.

ThokkThokk, eine urbane Lifetsyle-Brand aus Deutschland nutzt Kapok seit zwei Jahren als Füllung für Winterjacken. Dafür mischt sie 70 Prozent Kapok mit 30 Prozent recyceltem Polyester. Es gibt aber auch T-Shirts mit einer Mischung aus Naturfasern im Sortiment: Für die Kapok-Edition kombiniert ThokkThokk 80 Prozent Bio-Baumwolle mit 20 Prozent Kapok. Das sorgt für einen weichen und geschmeidigen Stoff für ein angenehmes Tragegefühl – schadstoffarm gefärbt nach dem OEKO-TEX® Standard 100.