Die Herstellung von Leder und ihre Folgen für die Umwelt

Die Herstellung von Leder verbraucht enorme Mengen an Wasser, Chemikalien und Energie. So werden für die Mode der Regenwald abgeholzt, ArbeiterInnen ausgebeutet und Tiere gequält - doch es gibt Alternativen.
Text von Salome Kern
5/25/2021
LederLeder

Leder – hohe Gewinne für die Industrie, hohe Kosten für die Umwelt

 

Ohne Fleisch gibt es kein Leder, die beiden Industrien sind eng miteinander verknüpft. Ursprünglich war Leder ein Abfallprodukt, dass während der Produktion des Fleisches entstand. Mittlerweile hat sich Leder aber vom Abfallprodukt zum wirtschaftlich profitabelsten Nebenprodukt der Fleischindustrie gewandelt, so treibt die Lederindustrie auch die Nachfrage nach Fleisch weiter an.

Kalbsleder dagegen ist seit Beginn ein sehr wertvolles Nebenprodukt, da es aufgrund der besonderen Feinheit gerne in der Luxusindustrie eingesetzt wird.

Die Herstellung von Leder ist ressourcenintensiv – wie auch die Fleischproduktion. Ein Report des Centro Nuovo Modello di Sviluppo (CNMS) und der Campagna Abiti Puliti aus dem Jahr 2016 zeigt, welche Ressourcen benötigt werden: So verbraucht die Herstellung von einem Kilogramm rohen Leder insgesamt 17’100 Liter Wasser, 7,4 Kilogramm Getreide und 41 Kilogramm andere Futtermittel.

Um genug Nahrung für die Tiere zu produzieren, werden riesige Ackerflächen benötigt. Die Folge davon ist die Abholzung der Wälder, um Soja als Futter für die Viehzucht anzubauen.

 

Die Abholzung des Regenwaldes geht weiter

 

Die Abholzung macht nicht halt vor besonders schützenswerten Wäldern, wie dem Regenwald im Amazonasgebiet, der zu großen Teilen in Brasilien liegt. Das Land ist einer der größten Produzenten für Fleisch und Tierhäute. Eine Nachfrage mit verheerenden Konsequenzen, wie eine Studie von Greenpeace aus dem Jahr 2009 zeigt: Alle 18 Sekunden ging ein Hektar des Waldes verloren. Gesetze zum Schutz des Amazonas werden ignoriert und die Flächen illegal gerodet.

Der Bericht von Greenpeace hat damals Verbesserungen angestoßen, doch eine Untersuchung der britischen Zeitung The Guardian vor zwei Jahre hat aufgedeckt, dass Viehzüchter getroffene Abmachungen erneut verletzen: Der Regenwald brennt und die Rinderzucht facht das Feuer weiter an.

 

Gigantische Menge an schädlichen Chemikalien

 

Aus ökologischer Sicht ist die Abholzung der Wälder die eine Seite des Problems, auf der anderen Seite ist die Produktion von Leder mit zahlreichen Giften belastet. Um Leder herzustellen, sind große Mengen an Wasser und giftiger Chemikalien nötig. Mit den chemischen Substanzen wird der Verwesungsprozess der Haut gestoppt. Gemäß dem Report „Did you know there‘s a cow in your shoes?” aus dem Jahr 2016 werden für das Gerben einer Tonne Kuhhaut 15 bis 50 Tonnen Wasser und 500 Kilogramm chemische Substanzen benötigt. In den meisten Gerbereien kommen dabei Chemikalien wie Chrom, Formaldehyd, Schwefeldioxid, Ammoniumchlorid zum Einsatz, das die Gesundheit der ArbeiterInnen schädigt und die Umwelt.

Aus dem Gerbverfahren entsteht 4,3 bis 6,15 Kilogramm Feststoffabfall, 2 bis 2,5 Kilogramm chemische Substanzen, die entsorgt werden müssen. Das Abwasser und der Abfall aus der Lederproduktion sind belastet mit giftigen Stoffen, das wegen fehlender Regulierungen oft nicht sicher und fachgerecht entsorgt wird. Leder wird meist in Ländern mit geringen Umwelt- und Sozialauflagen produziert.

 

Mangelhafte Bedingungen für die ArbeiterInnen

 

Die Herstellung von Leder schadet neben der Umwelt auch den ArbeiterInnen. Die Arbeitsbedingungen sind oft menschenunwürdig: Schwere und schmutzige Arbeit, Überstunden und niedrige Löhne sind in Gerbereien an der Tagesordnung. Auch in Ländern wie Italien werden Immigranten oft nur kurzfristig und temporär eingesetzt werden. Schwarzarbeit ist leider keine Seltenheit – für die ArbeiterInnen bedeutet das: keine soziale Absicherung, keine Rente und keine Versicherung.

Die Arbeit in der Herstellung von Leder ist hart und gesundheitsgefährdend. Für den Gerbprozess werden Schwefelverbindungen benötigt, die Schwefelwasserstoff bilden, was besonders gesundheitsgefährdend ist bei unzureichenden Schutzmaßnahmen. Durch den regelmäßigen Kontakt mit giftigen Chemikalien können ArbeiterInnen vermehrt unter Muskel-, Skelett- oder Krebs-Erkrankungen leiden. In Niedriglohnländern wie Bangladesch sind die Bedingungen für die ArbeiterInnen noch unregulierter. Minderjährige arbeiten dort ohne Schutzkleidung und atmen täglich die giftigen Dämpfe ein.

 

Tierschutz in der Lederindustrie

 

Neben der Abholzung von Wäldern, der Umweltverschmutzung und der Ausbeutung von ArbeiterInnen leiden unter der Herstellung von Leder besonders auch die Tiere. Die nationalen Gesetze für die Tierhaltung und den Tierschutz unterscheiden sich von Land zu Land stark voneinander: So sind die Richtlinien in der Europäischen Union wesentlich strenger als jene in Produktionsländern wie Brasilien, China oder Indien. Tierquälerei ist dort an der Tagesordnung. Für die Tiere bedeutet das ein kurzes Leben voller Qualen.

Sie sind in überfüllten Ställen zusammengepfercht, häufig findet die Kastration oder das Stutzen der Schwänze ohne eine Betäubung statt. Indien gehört zu den größten Produzenten von Häuten, doch die Kuh gilt in dem Land als heilig. Die Folge: Die Rinder werden zusammengepfercht transportiert oder müssen lange Märsche zu weit entfernten Schlachthöfen in Bangladesh auf sich nehmen. Dort wird den Rindern, die durch die Haltung und den Transport häufig krank oder verletzt sind, ohne Betäubung die Kehle durchgeschnitten.

Durch den hohen Wert von exotischen Tierhäuten werden Tiere wie Alligatoren, Krokodile oder Schlangen extra für die Lederindustrie gezüchtet. Davon sind auch bedrohte Tierarten wie beispielsweise das Siam-Krokodil betroffen. Ein Bericht aus einem Schlachthof für Schlangen in Indonesien zeigt, dass die Tiere oft noch leben, wenn sie gehäutet werden.

 

Leder

Worauf sollte man also beim Kauf von Lederprodukten achten?

 

Leder hat aber auch zahlreiche wertvollen Eigenschaften für die Bekleidungsindustrie: Es lässt sich flexibel einsetzen und ist biegsam. Außerdem ist Leder ein reißfestes Material mit einer langen Lebensdauer. Trotz seiner Robustheit ist es dehnbar, atmungsaktiv und überwiegend wasserabweisend.

Eine Möglichkeit, um die Nachfrage nach neuen Tierhäuten zu senken, ist der Kauf von Secondhand-Produkten.

Wer doch lieber ein neues Teil möchte, sollte auf Brands setzen, die sich für die Eliminierung von Chemikalien in der Herstellung einsetzen. Die Leather Working Group hat Richtlinien für die Lederherstellung entwickelt – Mitglieder, die sich an den Standard halten, werden von der gemeinnützigen Organisation zertifiziert.

Ebenfalls wichtig sind transparente Lieferketten, die die Haltungsbedingungen der Tiere sichtbar machen und gleichzeitig auf faire Arbeitsbedingungen setzen. Hier schaffen die Zertifizierungen von Fairtrade und der Fair Wear Foundation Transparenz.

 

Ist veganes Leder die Alternative?

 

Durch den starken Anstieg an veganen KonsumentInnen sowie das gesteigerte Umweltbewusstsein vieler Menschen stellen immer mehr VerbraucherInnen Leder in Frage und suchen nach Alternativen.

Die meistgenutzten Alternativen zu Leder bestehen momentan immer noch hauptsächlich aus fossilen Brennstoffen wie Polyurethan oder PVC. Diese Leder-Imitate sehen dem echten Leder zum Verwechseln ähnlich, aber auch sie können keine gute Umweltbilanz vorweisen. Die Produktion der synthetischen Materialien ist energieintensiv und basiert auf nicht-erneuerbaren Ressourcen. Polyurethan ist extrem umweltschädlich in der Herstellung und auch mit den bisherigen Technologien kaum recyclebar.

 

Die umweltfreundliche und vegane Leder-Alternative aus Ananas, Kork und Co.

 

Gänzlich auf die Lederoptik verzichten, müssen wir glücklicherweise nicht. Forscher arbeiten an umweltfreundlichen Alternativen, die immer häufiger eingesetzt werden. Wenn auch die Hersteller verschiedene Ansätze verfolgen: Die neuen Leder-Alternativen heute bestehen alle aus pflanzlichen Materialien. Mittlerweile gibt es Lederersatz aus Ananasblättern, Pilzen, Kork, Apfelresten, Weintrauben oder Kakteen. So verwendet beispielsweise die Marke A_C ein veganes Kakteenleder des mexikanischen Start-Ups Desserto für Ihre Produkte.