Mohair – alles, was du über das Material wissen musst

Weich, leicht, langlebig: Mohair zählt zu den edelsten Textilfasern der Welt. Aber die Produktion des Materials belastet häufig Tier und Umwelt.
Text von Tatjana Buchner
10/20/2021
MohairMohair

Was ist Mohair?

 

Mohair ist das gelockte Haar der Mohairziege (auch Angoraziege), die zu den langhaarigen Wollziegenrassen gehört. Es ist nicht zu verwechseln mit Angora-Wolle, die von Kaninchen gewonnen wird.

Aus Asien stammend, ist sie heute rund um die Erde verbreitet. Südafrika produziert den größten Anteil am weltweiten Mohair: Mehr als 60 Prozent der Wolle kommt demnach aus dem Land, vor allem aus der Umgebung um Karoo am östlichen Kap. Dort haben sich Farmer auf die Zucht der Angoraziege und die Mohair-Produktion spezialisiert. Ein signifikanter Anteil wird auch in den USA erzeugt, der Rest in Australien und der Türkei. 

 

Für was wird Mohair verwendet?

 

Das Haar der Mohair-Ziege ist ein sogenanntes Edelhaar, weil es sehr fein und hochwertig ist. Zu den Edelhaaren zählen zum Beispiel auch Kaschmir, Alpaka und Yak. Die Wolle daraus wird als Mohair-Wolle oder auch als Diamant Faser bezeichnet. 

 

Mohair hat ganz besondere Eigenschaften

  • Es ist sehr weich und leicht
  • Es kratzt nicht auf der Haut
  • Es wirkt antibakteriell
  • Es absorbiert Feuchtigkeit
  • Es ist wasserabweisend
  • Es wärmt im Winter und kühlt im Sommer
  • Es knittert nicht
  • Es ist langlebig

Mohair ist eine Faser, die eine Nische im Luxussegment darstellt. Der Anteil am globalen Fasermarkt ist sehr klein: Edelhaare machen 0,05 % des weltweiten Fasermarktes aus, darunter ist Mohair nur in einer sehr geringen Menge zu finden

Eine Angoraziege liefert jährlich etwa 3 bis 8 kg Mohairfasern und wird typischerweise zweimal pro Jahr geschoren. Mohairfasern von sechs Monate alten Jungtieren gilt dabei als besonders edel. Deren Haar ist mit 24 bis 29 Mikron (also 0,024 bis 0,029 mm) ausgesprochen fein und unter LiebhaberInnen feiner Wollwaren daher sehr beliebt (sogenanntes „Kid Mohair“). Zum Vergleich: Die Mohairwolle einer Ziege mittleren Alters (Young goat) hat einen Feinheitsgrad von 30 bis 33 Mikron und die Wolle einer ausgewachsenen Angoraziege (Adult) einen Wert von 34 bis 40 Mikron. Die natürlichen Farben liegen zwischen weiß und grau.

Gröbere Qualitäten werden zum Beispiel für Teppiche und Decken verwendet, während die feinen Qualitäten für Bekleidung gefragt sind. Daraus entstehen Kleidungsstücke wie etwa Pullover in Grobstrick, Schals und Hüte. Allerdings wird Mohair fast nie alleine eingesetzt, sondern meist in Kombination mit Wolle. Der Anteil liegt dabei oft bei 70 % Mohair und 30 % Wolle.

 

Welche ökologischen, sozialen und ethischen Auswirkungen hat Mohair?

 

Der hohe Bestand an Mohairziegen vor allem in Südafrika und die daraus resultierende Überweidung sind schon heute ein massives Problem. Um die wirtschaftliche Rendite zu steigern, vergrößern viele Farmer ihre Herden weiter – mit Auswirkungen auf Tiere und Böden.



Tierwohl

Aus tierschutzrechtlicher Sicht ist Mohair umstritten. Eine Grundproblematik ist häufig, wie bei anderen Tierfasern, die unsachgemäße Schur. Das liegt unter anderem daran, dass ArbeiterInnen pro kg und Anzahl der geschorenen Tiere bezahlt werden und nicht entsprechend geschult sind. Geschorene Ziegen sind vor Kälte wenig geschützt, da sie keine so starke Fettschicht wie Schafe haben. Falls es zu plötzlichen Wetterumschwüngen kommt, reagieren sie empfindlich. 

Die Tierschutzstandards sind unzureichend – nicht nur hinsichtlich Transport und Schlachtung der Ziegen, sondern auch bei der Haltung. So weist zum Beispiel die Tierrechtsorganisation Peta auf folgende Praktiken bei Mohair-Ziegen hin:

  • Damit die Tiere sich nicht gegenseitig verletzen, sind Verstümmelungen in der industriellen Mohair-Tierhaltung immer noch üblich, wie etwa die Entfernung der Hörner mit heißem Eisen oder ätzenden Chemikalienpasten. Dies passiert meist ohne Betäubung.
  • Kastrationen männlicher Tiere mittels Gummiring, was sehr schmerzhaft für sie ist.

2018 dokumentierten Videoaufnehmen der Organisation tierquälerische Praktiken in südafrikanischen Mohair-Ziegenfarmen. Arbeitskräfte fügten den Ziegen bei der Schnur tiefe Schnittwunden zu. Die Wunden der blutenden Tiere wurden mit Nadel und Faden zusammengenäht – ohne Gabe von Schmerzmitteln. Die Beschäftigten schnitten unprofitablen Ziegen, ohne sie zu betäuben, mit einem stumpfen Messer die Kehle durch oder brachen ihnen das Genick.

Auf Grundlage der veröffentlichten Beweise reichte der NSPCA (National Council of Societies for the Prevention of Cruelty to Animals) Anklage gegen vier Mohair-Produzenten ein. Auch die südafrikanische Mohair-Industrie reagierte auf den Peta-Bericht: So versprach der Verband der südafrikanischen Mohair-Produzenten (Mohair South Africa), dass Strafmaßnahmen gegen Ziegenfarmen und Schlachthöfe ergriffen werden, die den Richtlinien zum Tierschutz nicht folgen. 

Gleichzeitig wies der Verband darauf hin, dass die Misshandlung von Ziegen in der Mohair-Industrie keine gängige Praxis sei: „Angora-Ziegen werden in keiner Weise absichtlich geschädigt, da sie der Lebensunterhalt der Mohair-Halterinnen sind“, hieß es in der Erklärung. „Die Behandlung der Tiere bestimmt letztlich das Einkommen und die Nachhaltigkeit von LandwirtInnen.“

Kurz nach Veröffentlichung des Videos kündigten rund 70 Modemarken wie Gap, Diane von Furstenberg, Ralph Lauren, Esprit, Zara und H&M an, Mohair künftig aus ihrem gesamten Sortiment zu verbannen. Zahlreiche weitere Labels folgten dem Schritt.

 

Umwelt wird geschwächt

Die Produktion von Mohair belastet – wie andere Wollarten – auch die Umwelt stark. Laut Peta gibt es dafür verschiedene Gründe:

  • Die Haltung von Tieren ist immer ressourcenintensiv, besonders in industrieller Massentierhaltung.
  • Durch ihre Ausscheidungen produzieren Ziegen jede Menge Methan und fördern dadurch die globale Erwärmung. 
  • Die Folgen der intensiven Tierhaltung sind Abgrasung, Bodenerosion und die Verwandlung von Landstrichen in Wüsten.
  • Schädlingsbekämpfungsmittel, die in der Tierpflege und auf den Weiden eingesetzt werden, reichern sich in Böden und Gewässern an. 
  • Viele Ziegen werden in sogenannten Chemiebädern behandelt, zum Schutz vor Parasiten und Pilze. Dabei wird jedes Tier in einer giftigen Brühe gebadet oder mit Pestiziden eingesprüht, die Böden und Gewässer stark verschmutzen. 

Die Haltung von Mohairziegen hat jedoch einen Vorteil zu anderen Tierarten wie Schafen: Sie sind weniger schädlich für die Vegetation, da sie in relativ trockenen Gegenden leben.

 

Auf was solltest du achten?

 

Grundsätzlich ist die Frage, ob man überhaupt Produkte mit Mohair benötigt. Man sollte möglichst auf sie verzichten. 

Wenn du Mohair jedoch unbedingt erwerben möchtest, solltest du vor dem Shopping gezielt Anbieter suchen, die ihre Lieferkette und die Tierschutzstandards genau nachvollziehen können und Angaben darüber machen – etwa auf ihrer Website. 

 

Daneben helfen Siegel bei der Kaufentscheidung weiter: Seit März 2020 gibt es den Responsible Mohair Standard (RMS) der gemeinnützigen Organisation Textil Exchange, eine Reaktion auf die Tierwohl-Verstöße in Südafrika. Dieser gewährleistet die artgerechte Haltung von Ziegen für die Mohair-Produktion und einen verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt. Das RMS-Label garantiert

  • die Achtung des Tierwohls der Ziegen, etwa bei Aufzucht, Schur und Lebensende
  • bessere Praktiken in der Landbewirtschaftung
  • eine transparente Kommunikation

Die Einhaltung der Kriterien überprüfen unabhängige Zertifizierungsstellen wie etwa Ecocert. Es erfolgen regelmäßige Audits bei den Betrieben. Der Standard basiert auf dem 2016 eingeführten Responsible Wool Standard (RWS), der inzwischen überarbeitet wurde.

Zertifizierungen wie GOTS stellen zudem die ökologischen und sozialen Standards entlang der gesamten Produktionskette sicher und gewährleisten so eine streng kontrolliert biologische Tierhaltung sowie Herstellung und Weiterverarbeitung der Fasern bis zum finalen Produkt.

 

Wie sind Produkte aus Mohair zu pflegen?

 

Kleidungsstücke aus Mohair sind eher empfindlich. Daher solltest du dein Teil am besten folgendermaßen behandeln, damit es möglichst lange hält:

  • nicht über 30 °C waschen
  • beim Waschgang in der Maschine eine geringe Schleuderdrehzahl wählen 
  • ein Wollwaschmittel verwenden
  • bei der Handwäsche den Stoff nicht zu lange einweichen lassen
  • nicht in den Trockner geben
  • nicht in der prallen Sonne trocknen lassen

 

Quellen zum Thema: 

https://www.mla.com.au/globalassets/mla-corporate/generic/extension-training-and-tools/gig-mohair.pdf 

https://textileexchange.org/wp-content/uploads/2021/08/Textile-Exchange_Preferred-Fiber-and-Materials-Market-Report_2021.pdf

https://textileexchange.org/standards/responsible-mohair/ 

https://www.peta.de/themen/mohair/

https://www.climatelinks.org/sites/default/files/asset/document/2020_USAID_SA-LED_Strategy-and-Action-Plan-for-Greening-Mohair-Production.pdf

https://fashionunited.de/nachrichten/mode/die-suedafrikanischen-produzenten-reagieren-auf-das-mohairverbot-der-einzelhaendler/2018051425291

https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/tierquaelerei-auf-suedafrikanischen-farmen

https://www.hessnatur.com/magazin/textillexikon/mohair/