Bastfasern - alles, was du über das Material wissen musst

Bastfasern, die sich in unterschiedlichsten Pflanzen befinden, lassen sich für Textilprodukte verarbeiten. Das geht allerdings meist nur mit aufwändigen Verfahren. Hier die wichtigsten Informationen über das natürliche Material.
Text von Tatjana Buchner
11/26/2021
BastfasernBastfasern

Was sind Bastfasern?

 

Bastfasern zählen zu den Pflanzenfasern und sind mehrzellige Faserbündel, die in einer Pflanze rings um den Holzkern angeordnet sind – also im Bast des Pflanzenstängels. Sie sorgen dafür, dass dieser ausreichend stabil ist. Ihre Zellen sind lang, dickwandig und unverholzt.

Die am häufigsten verarbeiteten Bastfaserpflanzen sind Flachs, Hanf, Jute und Kenaf. Daneben gibt es zum Beispiel Ramie und die Fasernessel. Bei Bastfasern handelt es sich um relativ widerstandsfähige Pflanzen, die wenig natürliche Angreifer haben. Nach Angaben des Deutschen Naturfaserverbands e.V. beträgt der Fasergehalt dieser Pflanzen zwischen 15 bis mehr als 30 Prozent.

Rechnet man Baumwolle heraus, machen Pflanzenfasern derzeit rund 6 Prozent des globalen Fasermarktes aus. Experten schätzen, dass der Anteil mit der wachsenden Nachfrage nach umweltfreundlichen Fasern wachsen wird. Dazu dürfte auch die Legalisierung des Hanfanbaus in den USA beitragen, die bis Ende 2022 erwartet wird. (Erfahre mehr über die Unterschiede zwischen Chemie- und Naturfasern)

 

Für was werden Bastfasern verwendet?

 

Da Bastfasern weicher als Hartfasern wie etwa Sisal sind, können sie gut versponnen werden. Gleichzeitig sind sie zugfest und fein. Dies wirkt sich auf die daraus hergestellten Garne aus.

Die Elastizität von Bastfasern ist sehr gering, deswegen knittern sie relativ stark. Sie sind nur dann für textile und technische Zwecke nutzbar, wenn sie genügend fest und verformbar sind. Sollen die gewonnenen Bastfasern für Textilien verwendet werden, können sie mit Hilfe von Maschinen versponnen werden. Das Garn lässt sich verstricken oder verweben.

 

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Aus Bastfasern werden zum Beispiel Vliesstoffe, Dämmmaterial, Seile und Matten hergestellt. Aufgrund ihres Aufbaus und der geometrischen Struktur sind sie bestens dafür geeignet, Bauteile mechanisch zu verstärken. Im Automobilbau findet man sie zum Beispiel in Türinnenverkleidungen.

Zudem werden sie in der Textilindustrie, etwa für Bekleidung, verwendet. Der Deutsche Naturfaserverband e.V. sieht dabei vor allem ein Potenzial für Flachsfasern, weil sie besonders fest und fein sind.

 

Was sind beliebte Bastfasern in der Textilindustrie?

 

Flachs

Funde beweisen, dass Flachs in Europa bereits in der jüngeren Steinzeit (ab 11.000 vor Christus) angebaut wurde. Um 5000 vor Christus begannen die Sumerer, aus der schnell und einfach wachsenden Flachspflanze Leinen zu produzieren. Damit gilt die Flachsfaser, auch Leinfaser genannt, als eine der ältesten von Menschen genutzten Bastfasern. Ein besonderes Merkmal von Flachs: Aus demselben Rohmaterial können unterschiedliche Arten von Fasern gewonnen werden. Weil Leinen strapazierfähig und feuchtigkeitsregulierend ist, kommt es gerne als Oberbekleidung im Sommer, Tisch- und Bettwäsche zum Einsatz. (Das sind die wichtigsten Fakten zum Material Leinen)

 

Hanf

Sie ist eine schnell nachwachsende Kulturpflanze mit dem botanischen Namen Cannabis sativa L., die ursprünglich in Zentralasien beheimatet war. Der Faserertrag ist höher als bei Baumwolle oder Flachs. Da die Fasern sehr fest sind, eignen sie sich besonders für robuste, grobe Stoffe. Wird Hanf mit Fasern wie Baumwolle gemischt, entsteht ein besonders stabiles Gerüst des Garns. Es wird mittlerweile gerne für Jacken oder Jeans verwendet. (Alles zum Material Hanf)

 

Jute

Ihre Fasern stammen von der Corchoruspflanze, die hauptsächlich in Bangladesch, China, Indien und Thailand angebaut wird. Da diese viel Lignin beziehungsweise Pflanzenleim enthält, ist der Aufschluss sehr aufwändig. Die Einzelfasern sind mit 1 bis 5 mm relativ kurz, und das Garn hat einen typischen Geruch. Daher wird es vor allem für Säcke und Gewebe verwendet. Bei Kleidung findet man Jute hauptsächlich in Mischgeweben, sie wird gerne mit anderen Naturfasern wie Baumwolle kombiniert.

 

Kenaf

Kenaf ist eine tropische bis subtropische Pflanze aus der Familie der Malvengewächse, die am besten bei einer Temperatur zwischen 15 °C und 27 °C gedeiht. Hauptanbaugebiete sind in Indien, China und Südostasien. Die gleichnamige Faser ähnelt der Jutefaser, enthält aber rund 5 Prozent weniger Lignin. Aus Kenaf werden traditionell Seile oder Sacktücher hergestellt, sie eignet sich aber ebenso gut als Verstärkungsfaser für Kunststoffe.

 

Ramie

Bei der Pflanze handelt es sich um eine Nesselart. Sie heißt auch Chinagras und wird vor allen in tropischen Regionen Asiens kultiviert. Schon nach rund sechs Wochen sind die ersten Stängel der Faserpflanze verwendbar. Ramiefasern lassen sich allerdings nur schwer gewinnen, da sie besonders stark zusammenkleben. Ihre Vorteile: Sie sind sehr strapazierfähig, reißfest und haltbar. Reine Ramiegewebe fühlen sich leicht und seidig an und ähneln Leinen.

 

Fasernessel

Sie stammt von der Brennnessel, die in gemäßigten Klimazonen weltweit verbreitet ist. Sie ist wie Ramie eine Mehrjahrespflanze, ein Unterschied zu den anderen Bastfaserpflanzen. Das bedeutet, dass die Felder nicht im regulären Fruchtwechsel bewirtschaftet werden müssen. Der Anbau erfordert – ebenfalls wie bei Ramie – keine Pflanzenschutzmittel, weil die Brennnessel natürliche Abwehrmechanismen gegen Schädlinge besitzt. Die Vermehrung ist allerdings sehr kostenintensiv. Stoffe aus Brennnesseln sind reißfest, angenehm glatt und seidig im Glanz. Zudem sind sie hautfreundlich und absorbieren gut Feuchtigkeit.

Neben den Bastfasern sowie den Hart- und Fruchtfasern gibt es Samenfasern, zu denen Baumwolle und Kapok gehören. Die Kapokfaser stammt vom Kapokbaum, der auch als Wollbaum bezeichnet wird und heute vor allem in den tropischen Zonen Asiens zu finden ist. Er wächst wild, wird also nicht in Plantagen oder Monokulturen angebaut.

Da die Kapokfaser sehr weich ist und sich wegen ihres Wachsüberzugs nur schwierig verspinnen lässt, kann sie bisher nicht zu 100 Prozent in Textilien verwendet werden. Meist kommt sie als Mischfaser zum Einsatz, etwa mit Bio-Baumwolle für Sweatshirts.

 

Welche ökologischen, sozialen und ethischen Auswirkungen haben Bastfasern?

 

Pflanzen mit Bastfasern benötigen während ihres Anbaus relativ wenig Ressourcen, wachsen schnell und sind einigermaßen resistent gegen Schädlinge. Allerdings ist die Gewinnung der Fasern und deren Weiterverarbeitung aufwändig: Naturfasern, vor allem Bastfasern, lassen sich nur schwer aufbrechen.

Um sie nutzen zu können, ist zunächst ein sogenannter Faseraufschluss, die Trennung der Faser vom Rest der Pflanze, nötig. Dazu muss der sogenannte Pflanzenleim, der Bastfasern besonders steif und hart macht, zersetzt werden, um die Faserbündel schonend herauszulösen. Der Aufschluss kann auf verschiedene Arten erfolgen.

Zuweilen variiert der Ertrag stark: Zum Beispiel können sich die Faserstärke und Bündeldicke unterscheiden. Zudem beeinflussen Faktoren wie Pflanzensorte, Boden und Ernte die Faserqualität. Daher eignen sich die Faser unter Umständen nur für einen bestimmten Einsatz.