Viskose/Modal und umweltfreundlichere Alternativen

Zellulosischen Chemiefasern wie Viskose und Modal werden in der globalen Textilindustrie gerne eingesetzt. Nachhaltig sind Viskose und Modal aber nur unter gewissen Voraussetzungen, die heute noch nicht Standard sind: nachhaltige Forstwirtschaft und ein geschlossener Kreislauf in der Produktion.
Text von Salome Kern
5/25/2021
ViskoseViskose

Was ist Viskose?

 

Viskose ist eine Chemiefaser aus Cellulose, die aus Holz gewonnen wird. Sie zählt somit zu den halbsynthetischen Fasern. Damit aus den Regeneratfasern ein Textil hergestellt werden kann, sind Chemikalien nötig. Viskose war die erste Chemiefaser, die als preisgünstige Alternative zu Seide produziert wurde, deshalb ist sie auch bekannt unter dem Namen Kunstseide.

Das Material ist in der Textilindustrie weit verbreitet, da es vielfältiger einsetzbar ist als beispielsweise Fasermischungen. Weitere Eigenschaften, die Viskose zur beliebten Faser machen, sind die Absorption von Feuchtigkeit, das angenehme Tragegefühl und Knitterfreiheit, die Bügeln überflüssig macht.

 

Was ist Modal?

 

Modal ist eine zellulosischen Regeneratfasern, die ebenfalls aus Cellulose hergestellt wird und zur Fasergruppe Rayon gehört. Der Unterschied zwischen Modal und Viskose ist die Qualität: Modal wurde entwickelt, um die Faser zu machen. Außerdem sind das Verfahren und die Wahl der Chemikalien etwas abgeändert. Textilien aus Modal sollten robuster sein als jene aus Viskose und besonders im nassen Zustand fester.

Der Vorteil beider Cellulose-Regeneratfasern ist, dass sie auf einem nachwachsenden Rohstoff basieren. Die Herstellung von Viskose wie auch Modal hat allerdings Auswirkungen auf die Umwelt.

 

Herstellung führt zu Chemikalien im Abwasser

 

Um aus den Regeneratfasern den Zellstoff für Viskose oder Modal herzustellen sind aufwendige Verfahren nötig, bei denen viel Energie, aber auch eine extrem hohe Menge an Chemikalien eingesetzt wird. Das geschieht häufig in Ländern mit unzureichenden Regulierungen von Sozial- und Umweltstandards: Ein geschlossener Kreislauf fehlt in der Produktion und die Chemikalien fließen ungefiltert in die Natur.

Weil die Chemikalien miteinander reagieren, entstehen giftige Stoffe. Eine der Chemikalien ist Schwefelkohlenstoff, der über die Lunge oder die Haut aufgenommen werden kann. Die ArbeiterInnen sind den Dämpfen ausgeliefert und es entstehen chronische Vergiftungen, die das Nervensystem schädigen und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können.

Die giftigen Stoffe gelangen auch ins Abwasser und verschmutzen die Umwelt. Das wiederum hat immense Auswirkungen auf das Ökosystem. Aber nicht nur das. Die Chemikalien rufen gesundheitliche Schäden bei AnwohnerInnen hervor, die in der Nähe der Fabriken leben.

 

Ohne nachhaltiges Holz keine nachhaltige Faser

 

Der erste Schritt zu umweltfreundlichen Fasern ist, dass für die Produktion ausschließlich Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft eingesetzt wird. Holz ist ein Rohstoff, der zwar nachwächst – allerdings langsam. Deshalb ist umsichtige Pflege der Wälder wichtig und die Rückverfolgbarkeit der Hölzer. In der Praxis ist es für KonsumentInnen schwierig zu beurteilen, ob das Holz aus einer nachhaltigen Waldwirtschaft stammt.

Illegal geschlagenes Holz zerstört Lebensräume von gefährdeten Tieren wie Orang-Utans aber auch die der indigenen Völker. Für die Produktion nachhaltig gewonnener Fasern dürfen Bäume schützenswerter und gefährdeter Wälder nicht verwendet werden, dazu gehören beispielsweise die Urwälder in Kanada oder Russland, aber auch Regenwälder in Indonesien, Westafrika und dem Amazonas-Gebiet. Diese Wälder erhalten nicht nur die Biodiversität, sondern auch das Klima stabil. Gerade die Urwälder gelten als Arbeitspferde des Planeten: Sie filtern CO2 aus der Luft und speichern es.

200 Millionen Bäume werden jährlich für die Cellulose-Regenerate abgeholzt. Das zeigt ein Bericht der NGO Canopy, einer Waldschutzorganisation aus Kanada. Sie setzt sich dafür ein, wirtschaftliche Lösungen für eine nachhaltige Forstwirtschaft zu finden. Für die CanopyStyle-Initiative arbeitet die Organisation mit zahlreichen Unternehmen aus der Textilbranche zusammen.

Ihr aktueller Bericht zeigt positive Entwicklungen: Zum ersten Mal konnte nachgewiesen werden, dass mehr als die Hälfte des Viskoseangebots nicht aus schützenswerten und gefährdeten Wäldern stammt.

 

Umweltfreundliche Verfahren sind möglich

 

Es gibt eine umweltfreundlichere Alternative zu klassischer Viskose und Modal, die aus dem gleichen Rohstoff gewonnen wird, aber mit einem anderen Verfahren hergestellt wird: Tencel ™ Lyocell. Ein wichtiger Ansatz ist hier der geschlossene Kreislauf, bei dem das verschmutzte Wasser recycelt und das Lösungsmittel für die Produktion wiederverwendet wird.

Wird also nachhaltige Forstwirtschaft mit einem umweltschonenden Verfahren kombiniert, das es erlaubt in einem geschlossenen Kreislauf die Fasern herzustellen, können auch Cellulose-Regeneratfasern eine umweltfreundliche Alternative darstellen. Um die halbsynthetischen Fasern wirklich nachhaltig zu gestalten, ist der Schutz der ArbeiterInnen gegen Dämpfe der harschen Lösungsmittel und Chemikalien von immenser Bedeutung.

Die Firma Lenzing versucht beispielsweise auch Modal umweltschonender und sicherer herzustellen. Für Tencel™ Modalfasern nutzt das Unternehmen natürlich wachsendes Buchenholz als Grundlage und setzt auf einen ökologisch verantwortlichen integrierten Zellstoff-zu-Faser Prozess.

 

Umweltfreundliche Faser als Alternative zu Viskose und Modal

 

Die Faser, zu der man greifen kann, ist die Tencel ™ Lyocell aus dem Hause Lenzing. Das Unternehmen nutzt ein Verfahren mit einem fast geschlossenen Kreislauf: 99 Prozent des Lösungsmittels wird bei diesem Prozess zurückgeführt. Für dieses Produktionsverfahren wurde die Lenzing-Gruppe bereits im Jahr 2000 von der Europäischen Kommission in der Kategorie “Technologiepreis für nachhaltige Entwicklung” mit dem Europäischen Umweltpreis ausgezeichnet.

Das Unternehmen bezieht die Hölzer aus nachhaltiger Forstwirtschaft – hauptsächlich aus Quellen, die von FSC (Forest Stewardship Council) und PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification) zertifiziert sind. Der Schwerpunkt liegt auf Eukalyptus, da dieses Holz ökologische Vorteile bietet, aber auch Buchenholz, Fichten-, Birken- und Pinienholz wird verwendet.

Die Standardfasertypen wie Tencel™ Lyocell und Modal sind laut Lenzing biologisch abbaubar. Damit können sie kompostiert werden und vollständig in die Natur zurückgeführt werden.

 

Neue Technologie nutzt Baumwollstoff-Abfälle

 

Die Firma Lenzing wagt zudem einen weiteren vielversprechenden Schritt Richtung Kreislaufwirtschaft in der Textilindustrie: Die REFIBRA™ Technologie baut auf dem Lyocell-Verfahren auf und kombiniert sie mit Recycling.

Dabei werden Baumwollreste, beispielsweise Stoffabfälle aus der Textilproduktion verwendet, mit Cellulose-Regeneratfasern gemischt und dann mit dem Lyocell-Verfahren aufbereitet. Aus dem Rohmaterial werden Lyocell-Fasern und diese wiederum werden zu umweltfreundlichen Textilien. So steigt auch der Anteil an recycelten Fasern, die sonst auf dem Müll landen würden.

Bekannte Marken wie Patagonia verfolgen das Ziel, nur noch Tencel™ Lyocell-Fasern zu verwenden, die aus Abfallresten stammen. Je mehr Textilunternehmen mitziehen, desto weniger Rohmaterial wird benötigt, um unsere Kleidung herzustellen.