Upcycling von Kleidung – 5 Arten deine alten Kleider umzufunktionieren

Was genau ist eigentlich Upcycling und warum ist es nachhaltiger und macht mehr Spaß als Recycling? In diesem Artikel geht es um Inspiration und Ideen rund um die Frage, wie du deiner alten Kleidung ein neues – und cooleres – Leben verleihen kannst.
Text von Hannah Ernst
9/13/2021
UpcyclingUpcycling

Was ist Upcycling?

 

Der Name Upcycling kommt ursprünglich von Recycling, bedeutet aber, dass du deine aussortierte Kleidung nicht wegwirfst, sondern sie durch verschiedene Modifizierungen, wie kleine Nähprojekte, veränderst und ihnen so eine neue Chance in deinem Kleiderschrank gibst. Die Änderungen können unterschiedlich sein: von Ärmel abtrennen, dem klassischen Abschneiden mit der Schere bis hin zu Patchwork- oder anderen DIY-Projekten kannst du alles machen, was dir in den Sinn kommt.

 

Was sind die Vorteile von Upcycling?

 

Ganz einfach gesagt vereint Upcycling zwei große Vorteile: Die Verlängerung der Lebensdauer deiner Kleidung und das Entstehen von besonderen Einzelstücken. Durch Upcycling hast du die Möglichkeit, dir deine eigenen Unikate zu schneidern, deinen Stil weiterzuentwickeln und gleichzeitig den Lebenszyklus deiner Kleidung zu verlängern und so zum Slow Fashion Movement beizutragen.

Die nachhaltigste Art, Kleidung zu „konsumieren“, ist die Kleidung, die du schon hast, so lange wie möglich zu tragen. Wenn du dadurch aber manchmal Abwechslung vermisst, könnte Upcycling genau das Richtige für dich sein. Am nachhaltigsten ist es natürlich, wenn du deine eigene aussortierte Kleidung umnähst, aber zu große Second Hand oder Vintage-Kleidung eignet sich genauso gut. Falls du etwas Inspiration brauchst, haben wir 5 Ideen, wie du deine alte Kleidung upcyceln kannst.

 

Was brauchst du, um anzufangen?

 

Für die ersten Upcycling-Projekte eigenen sich am besten robuste Materialien wie Denim, Baumwolle oder Leinen. Außerdem ist es immer besser, zu viel Stoff zu haben, als zu wenig. Für Upcycling eignen sich daher zum Beispiel Vintage Herrenklamotten oder allgemein Kleidung, die dir zu groß ist. Außerdem gibt es Utensilien, die dir deine DIY-Projekte erheblich erleichtern werden:

  • Eine (Stoff-)Schere brauchst du auf jeden Fall.
  • Ein Auftrenner ermöglicht es dir aber noch viel besser als die Schere, vorhandene Nähte schnell und sauber aufzutrennen. Das kann besonders hilfreich sein, wenn du Teile deines Kleidungsstücks entfernst oder auch wenn du eine von dir genähte Naht auftrennen musst, weil dir ein Missgeschick passiert ist. Um besonders sauber zu sein, eignet sich eine Pinzette wunderbar, um die kleinen vom Auftrennen entstehenden Fäden zu entfernen.
  • Kauf dir Garn in Farben, die du gern trägst. (Side Note: Garn kann man auch wunderbar Second Hand bekommen, zum Beispiel auf eBay, dem Flohmarkt oder etsy!)
  • Ganz normale Nähnadeln, um kleine Änderungen mit der Hand durchzuführen.
  • Sicherlich wirst du auf deinem Stoff Stellen markieren oder Linien ziehen, beispielsweise wenn du etwas abschneidest. Wenn du sichergehen willst, dass dein Stift keine Rückstände auf dem Kleidungsstück hinterlassen, kauf dir Schneiderkreide oder einen Schneiderstift, die extra für Nähprojekte geeignet sind und sich durch einen Waschgang einfach entfernen lassen.
  • Eine kleine Box Stecknadeln wirst du auf jeden Fall brauchen, um den Stoff vor dem Nähen so zu stecken, wie du ihn am Ende haben möchtest.
  • Die Vorarbeit mit dem Bügeleisen wird dir das Nähen auch erheblich erleichtern, weil du den Stoff dann genauso hast, wie du ihn dir vorstellst.
  • Eine Nähmaschine ist ideal, du brauchst sie aber nicht für alle folgenden Tipps. Vielleicht kennst du auch jemanden der/die näht, oder gibst deine vorbereiteten Kleidungsstücke in eine Schneiderei oder eine Nähwerkstatt? In München gibt es zum Beispiel die Nähwerkstatt, ein Ort wo für dich dein individuelles Unikat angefertigt werden kann, oder du auch selbst Nähkurse belegen kannst, um deine Fertigkeiten zu erweitern. Informiere dich doch, ob es in deiner Stadt vielleicht einen Ort gibt, wo du Nähmaschinen in einer Art Werkstatt oder „Co-Working-Space“ benutzen kannst.
  • Inspiration brauchst du natürlich auch. Und genau dafür ist dieser Artikel da – für den ersten kreativen Anstoß, damit du direkt loslegen kannst.

 

Ideen für Upcycling

1. Knöpfe austauschen

Für den Anfang, oder wenn du keine Nähmaschine hast, kann es manchmal einen Riesenunterschied machen, die Knöpfe eines Blazers oder Cardigans auszutauschen. Dafür brauchst du nur Nadel, Faden und Knöpfe.

Diese kannst du nicht nur im Nähgeschäft kaufen, sondern auch Second-Hand, etwa auf dem Flohmarkt oder über Online-Plattformen wie Vinted, Ebay oder Etsy. Hier gibt es oft besondere Vintage-Knöpfe aus Emaille, Perlmutt oder in vergoldeter Optik.

 

2. Silhouette verändern

Besonders wenn du deine Kleidung Second Hand erworben hast, kann es sein, dass der Schnitt manchmal nicht der Silhouette entspricht, die dir aktuell gefällt. Wenn du beispielsweise einen Vintage Blazer aus den 80ern gekauft hast und dir die Schulterpolster zu groß sind, kannst du einfach die Naht am Ärmel auftrennen, die Schulterpolster herausnehmen und die Naht wieder verschließen. Wenn du vorsichtig bist, brauchst du auch für diesen Tipp keine Nähmaschine, sondern kannst die Naht per Hand verschließen. Ein Auftrenner ist aber vermutlich für alle deine Upcycling-Projekte empfehlenswert.

Um die Silhouette zu verändern, kannst du zum Beispiel auch Pullis oder T-Shirts abschneiden, um ihnen einen Cropped Look zu verleihen oder Hosen und Röcke zu Shorts und Mini-Röcken ändern. Wenn du dir bereits mehr zutraust, kannst du den Bund von einer weiten Low-Waist Hose enger schneidern, sodass die Hose am Ende höher sitzt.

Falls sich das noch zu kompliziert anhört: wusstest du, dass du es einen Hack gibt, wie du genau das ohne Umnähen schaffen kannst? Nimm einfach den Knopf der Jeans und stecke ihn durch die Schlaufe am Bund auf derselben Seite. So kannst du die Jeans normal zuknöpfen und hast ein paar Zentimeter vom Bund innen „versteckt“.

 

3. Wie Skinny Jeans zu Schlaghosen werden können

Dieser Tipp funktioniert besonders gut bei Denim Jeans. Du brauchst dafür eine Skinny Jeans, die dir am Bund noch passt, und ein Denim-Kleidungsstück jeglicher Art mit genug Stoff für zwei große Dreiecke.

Trenne mit deinem Auftrenner – vom Knöchel aus – die äußere seitliche Naht deiner Skinny Jeans ungefähr bis zum Knie (oder weiter, siehe Bild) auf. Dann stülpst du die Jeans um und befestigst von innen mit Stecknadeln die Denim Dreiecke, die du vorher passend zurechtgeschnitten hast. Am besten nähst du die Dreiecke mit einer Nähmaschine an. Wenn du die Jeans umdrehst, hast du nun deine eigene und einzigartige Schlagjeans. In unterschiedlicher Waschung geben die Dreiecke der Hose einen besonderen Flair.

 

4. Patchwork

Patchwork-Projekte eignen sich besonders für Kleidung, die eigentlich gut erhalten ist, aber an einzelnen Stellen Makel wie kleine Löcher oder Flecken hat, die du ganz einfach wegschneiden kannst.

So lassen sich mit einer Nähmaschine jegliche Kleidungsstücke zusammen schneidern: Kreiere deine eigene Hose mit zwei verschiedenen Hosenbeinen, nähe dir ein Patchwork Top aus kleineren Stoffresten oder teile Oberteile in der Mitte und nähe sie aneinander. Gerade aus diesem Tipp entstehen die wahrscheinlich besondersten Unikate.

 

5. Aus eins mach zwei

Vor allem Kleider, lange Röcke und große Männerblazer eigenen sich wunderbar, um aus einem Teil zwei zu machen. Schneide zum Beispiel dein Kleid auf Höhe der Taille in zwei Hälften, um ein Cropped Oberteil und einen Rock zu erhalten.

Es kann gut sein, dass du an der Taille des neu entstandenen Rocks noch etwas Stoff von den Seiten wegnehmen musst oder innen ein Elastikband anbringen musst, damit der Rock hält. Gleiches gilt für lange Röcke und Blazer, die du genauso horizontal teilen kannst, um ein perfekt passendes Set zu erhalten.