Was bedeutet Textilveredelung?

Textilveredelung ist ein wichtiger Schritt, um dem Stoff die gewünschten Eigenschaften zu verleihen. Allerdings werden dafür zahlreiche Chemikalien, enorme Mengen an Wasser und Energie eingesetzt. Doch es gibt auch Marken, die beweisen, dass es anders geht.
Text von Salome Kern
7/14/2021
TextilveredelungTextilveredelung

Bei der Textilveredelung verleiht man einem Stoff Eigenschaften, die er normalerweise nicht mitbringt. Dazu gehört Aussehen und Qualität, aber auch der Schutz des Textils. In der Textilindustrie kann die Veredelung in verschiedenen Produktionsstufen erfolgen, sei es in der Faser- oder Garnproduktion, aber auch an der Rohware oder dem Endprodukt. Meistens werden Textilien als Stückware veredelt. (So funktioniert eine textile Wertschöpfungskette)

Ohne Textilveredelung wäre unsere Kleidung in den meisten Fällen weder besonders farbig, noch hätten manche Gewebe benötigte Eigenschaften. Für Hochleistungsstoffe für Sportkleidung, aber auch für knitterfreie Kleidung, UV-Schutz oder Textilien, die nicht kratzen, werden Veredelungsprozesse eingesetzt. 

 

Welche Arten von Textilveredelung gibt es?

 

Färben oder Bedrucken sind bekannte Veredelungsprozesse, die sich im Druck zusätzlich noch einmal in verschiedene Methoden wie beispielsweise Siebdruck oder Direktdruck aufteilen. Es gibt zahlreiche Prozesse und Verfahren, die je nach Faserart und gewünschten Eigenschaften durchgeführt werden. Die Veredelung beginnt mit den Vorbehandlungen wie Waschen und Bleichen, dann geht weiter mit Färben, Drucken und der finalen Ausrüstung. Ein Teil davon funktioniert mechanisch, der größte Teil der Veredelung sind aber chemische Prozesse: Für die Verfahren werden Wasser, Energie oder Chemikalien eingesetzt. (Diese Umweltprobleme entstehen in der Textilproduktion)

 

Was bedeutet Textilveredelung? | fairlyfab

Obwohl wir tagtäglich Kleidung tragen, die diese Verfahren durchlaufen haben, wissen KonsumentInnen kaum über die Schritte Bescheid. Die zahlreichen Fachbegriffe machen das Verstehen nicht einfacher: So wird beim Kalandern das Gewebe mithilfe von Walzen geglättet und verdichtet, was zu einem höheren Glanz des Stoffes führt. Merzerisieren beschreibt die Behandlung mit Natronlauge, die die Fasern stärken und ein glänzendes Aussehen verleihen – ein Verfahren das vor allem bei Baumwolle eingesetzt wird. Eine sogenannte Enzymwäsche macht die Kleidung knitterfrei und weich.

Spezielle Ausrüstungen sollen dafür sorgen, dass sich synthetische Fasern nicht elektrostatisch aufladen, dass Baumwolle reißfest bleibt oder dass die Wolle nicht filzt. Darunter gibt es temporäre Ausrüstungen wie Weichmacher, die sich nach einiger Zeit auswaschen. Zu den semi-dauerhaften Ausrüstungen gehört beispielsweise die wasserabweisende Ausrüstung, aber auch Schutz gegen Feuer, Schmutz oder Motten. Die permanenten Ausrüstungen sind strapazierfähiger und bleiben deshalb auf dem Stoff. Um das Gewebe am Einlaufen zu hindern, folgt besonders bei Baumwollstoffen ein Anti-Schrumpf-Finish. Eine Endbehandlung mit Harzen verhindert bei Kleidungsstücken das Knittern.

 

Krebserregend und giftig: Schadstoffe aus der Textilveredelung

 

Die Vorteile der Textilveredelungen liegen auf der Hand: Nur dank dieser Prozesse können wir heute bequeme Kleidung aus Stoffen mit verlängerter Haltbarkeit tragen, die nicht knittern, kratzen oder abfärben. Allerdings hat die Textilveredlung auch zahlreiche Nachteile für die Umwelt.

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Der Großteil unserer Kleidung wird in Ländern mit geringen Umweltauflagen hergestellt. So sind beispielsweise synthetische Azofarbstoffe in der EU verboten, nicht aber in vielen Produktionsländern. Diese Gruppe von Farbstoffen ist hochgiftig und hat beim Abbau eine krebserregende Wirkung oder können Haut- und Augenreizungen auslösen. Durch die Kontrolle importierter Güter herrscht hier zumindest eine gewisse Art von Schutz für KonsumentInnen – nicht aber für ArbeiterInnen. Sie werden kaum bis wenig vor schädlichen Substanzen geschützt. Chemikalien werden in Produktionsländern auch vorher gerne exzessiv ausgewaschen, was wiederum der Umwelt schadet. 

 

Auch Formaldehyd das bei der Veredelung gegen Knittern und Schmutz eingesetzt wird, gilt als krebserregend, kann die Haut reizen und für Kopf- oder Halsschmerzen verantwortlich sein. Phthalate, die für die Veredelung von Sportkleidung verwendet werden, stehen mit Hormonstörungen in Verbindung und sind ebenfalls krebserregend. Studien haben zudem einen Zusammenhang zwischen PFCs (Perfluorcarbon) und Nierenkrebs, Hodenkrebs sowie Schilddrüsenerkrankungen festgestellt. 

 

Schadstoffe gefährden die Gesundheit der ArbeiterInnen

 

Am stärksten sind die ArbeiterInnen in den textilverarbeitenden Industrien der Gefahr von Chemikalien ausgesetzt. (Mehr zu den Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie) Es finden sich immer wieder Schadstoffe in Fertigware – wie hoch der Anteil in der Herstellung war, ist meist nicht mehr nachzuvollziehen.

Kaliumpermanganat, das immer noch gerne zum Färben von Jeans eingesetzt wird, kann zu Lungenschäden führen, die im schlimmsten Fall zum Tod führen können. Auch in den Ledergerbverfahren sind die ArbeiterInnen den Dämpfen oftmals ohne sichere Schutzkleidung ausgeliefert.

 

Chemikalien gelangen durch Abwasser in die Umwelt

 

Kommen die Chemikalien dann bei der Veredelung zum Einsatz, fehlt häufig das Wissen für einen sicheren und naturgerechten Umgang. Die schädlichen Substanzen wie beispielsweise Schwermetalle sind teilweise schwer abbaubar. Deshalb muss das Abwasser richtig behandelt und geklärt werden – ein Kostenfaktor, den sich Fabriken oft nicht leisten können (oder wollen). In vielen Fällen gelangt das belastete Abwasser ins Ökosystem und beeinträchtigt damit die Wasserqualität und damit auch die darum liegende Natur, Tiere und Communities.

Weitere Probleme der Textilveredelung sind der hohe Wasser- und Energieverbrauch. Gemäß dem Report Fashion On Climate entstehen während der Nassprozesse wie zum Beispiel Färben oder Waschen insgesamt 15 Prozent der CO2-Emissionen aus dem gesamten Zyklus eines Kleidungsstücks – von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung.

 

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Umweltschonende Verfahren statt schädlicher Chemikalien

 

So werden für die Veredelung zahlreiche Chemikalien wie Farbstoffe oder optische Aufheller benötigt, bei deren Herstellung Abfallprodukte entstehen, die schlussendlich im Endprodukt landen. Darunter auch sehr schädliche Substanzen, die weder in die Natur und noch an unsere Haut gelangen sollten. Die Unternehmen sind hier in der Pflicht, toxische Chemikalien mit Alternativen zu ersetzen.

Mit einem verantwortungsvollen Chemikalienmanagement können gewisse Auswirkungen reduziert werden. Das Textilbündnis hat eine Vorlage für ein Chemikalieninventar erstellt. Denn nur ein Unternehmen, das weiß, welche Chemikalien eingesetzt werden, kann Verbesserungen anpeilen. Zusätzlich informiert das Inventar auch ArbeiterInnen über mögliche Gefahren durch Chemikalien. (Was bedeutet Nachhaltigkeit in der Textilindustrie?)

Dafür gibt es die Manufacturing Restricted Substance List (MRSL), was übersetzt „Liste der produktionsbeschränkten Stoffe“ heißt. Das Ziel der Initiative Zero Discharge of Hazardous Chemicals (ZDHC) ist es, mit dieser Liste Marken, Händlern, Lieferanten und HerstellerInnen Grenzwerte für eingeschränkte Substanzen in chemischen Formulierungen zu bieten und so Umwelt, ArbeiterInnen und KonsumentInnen zu schützen. Mit der Positive Chemical List bieten sie außerdem Alternativen zu konventionellen Chemikalien.

 

Schädliche Substanzen in der Kleidung: Darauf solltest du achten

 

Um dich selbst gegen die Einflüsse von Chemikalien zu schützen, solltest du deine Kleider vor dem ersten Tragen waschen. Bei Secondhand- oder Vintage-Kleidung könnte man davon ausgehen, dass die schädlichen Chemikalien bereits aus dem Textil gewaschen wurden, allerdings ist das nicht immer garantiert. Besonders Zertifizierungen wie GOTS oder OEKO-TEX® Standard 100 sind wichtig. Sie zeigen dir, dass bei der Produktion verantwortungsvoll mit Chemikalien, Wasser und Energie umgegangen wird. Ein weiteres Siegel, das in diesem Aspekt besonders stark ist, ist bluesign®, dessen Schwerpunkt auf den eingesetzten Chemikalien liegt.

 

Eine weitere Möglichkeit ist, dass du auf chemikalienfreie Marken setzt. Das Label Armedangels stellt unter anderem elegante Damenmode aus Bio-Baumwolle und ungiftiger Farbstoffe her. Wer Jeans liebt, aber nicht die Chemikalien verantworten möchte, wählt MUD Jeans. Das Label aus Holland setzt auf innovative Wasserrecycling-Anlagen und spart dabei Wasser.