Wie unsere Rücksendungen die Umwelt belasten

Rücksendungen von Online-Käufen belasten die Umwelt und zerstören nicht genutzte Ressourcen. Neben den zusätzlich entstehenden CO2-Emissionen durch den Rücktransport verursachen unsere Retouren eine eigentlich unnötige Belastung der Umwelt: Bei vielen Online-Versandhäusern ist es gängige Praxis, einen Großteil der zurückgeschickten Waren direkt zu entsorgen. Tipps und Tricks, wie du im Alltag nachhaltiger bestellen kannst.
Text von Theresa Bergbauer
7/16/2021
Rücksendungen und UmweltproblemeRücksendungen und Umweltprobleme

Warum sind Retouren eigentlich ein Problem?

 

Allein in Deutschland wurden laut des Bundesverband Paket und Expresslogistik (BIEK) für 2020 3,9 Mrd. Paketsendungen prognostiziert. Da über Weihnachten aber statt 420 Millionen über 700 Millionen Pakete verschickt wurden, kann man 2020 von einer Zahl von über 4,2 Milliarden Paketsendungen in Deutschland ausgehen. Pro Kopf gerechnet sind das fast 53 Pakete pro Jahr, also eins pro Kopf und Woche. Diese Zahlen mögen wegen der Corona-Pandemie nicht verwundern, allerdings betrug die Sendungszahl auch 2019 bereits 3,65 Milliarden.

Dass eine solche Menge an Sendungen auch einen gewaltigen CO2-Fußabdruck hinterlässt, ist nachvollziehbar. Das fängt beim Herstellungsprozess vieler der verschickten Produkte an, geht weiter über das Verpackungsmaterial bis hin zu den CO2-Emissionen, die durch den Transport vom Herstellungsland bis zu unserer Haustür anfallen.

Laut einer repräsentativen Greenpeace-Umfrage von 2018 neigen Menschen die viel bestellen auch dazu, viel zurückzuschicken. 61 Prozent der Befragten unter 30 Jahren – so die Studie – bestellen Bekleidung und Schuhe oft auch schon mit der Absicht, diese wieder zurückzuschicken. De facto wird jedes fünfte bestellte Teil retourniert, was zu einer gewaltigen Belastung für die Umwelt führt.

 

Was passiert mit Rücksendungen?

 

Neun von zehn befragten Menschen – so die Greenpeace-Umfrage – wissen nicht, dass Waren, die sie retournieren, zerstört werden. Leider ist es bei einigen Online-Händlern eine gängige Praxis, die meisten zurückgesendeten Kleidungsstücke zum Beispiel zu verbrennen. Die Auswirkungen auf die Umwelt: Eine nicht endende Wert- und Ressourcenvernichtung.

Laut einer ZDF-Reportage von „Frontal 21” aus dem Jahr 2018 ist Amazon ganz vorn dabei, wenn es um die Zerstörung von neuwertigen Waren geht. MitarbeiterInnen berichten, dass sie allein täglich Rücksendungen und Produkte im Wert von rund 23.000 Euro vernichten müssen. Dabei ist die Herstellung vieler Waren an sich schon einen hohen Ressourcenverbrauch: Für ein Paar Jeans beispielsweise werden laut der Online-Plattform für nachhaltiges Leben, Utopia, circa 8000 Liter Wasser verbraucht, für die sogenannte Veredelung wie Färben und Bleichen wird Umwelt mit schädlichen Chemikalien belastet und für den Transport aus den meist asiatischen Herstellungsländern fällt wiederum CO2 an.

 

Perfides Geschäftsmodell: Retouren-Vernichtung

 

Rund 70 Prozent der Retouren gehen laut einer Studie der Marktforschungsfirma EHI Retail Institute wieder zurück in den Verkauf. Fast ein Drittel der Rücksendungen allerdings werden zerstört – eine sinnlose Verschwendung von Ressourcen.

Für Online-Versandhäuser rechnet sich die Zerstörung von Ware laut „Frontal 21“ oft besser, als die retournierten Produkte erneut in den Verkauf zubringen oder gar zu spenden: Erneuter Verkauf bedeutet, in neues Verpackungsmaterial zu investieren und auf Sachspenden fallen gar 19 Prozent Mehrwertsteuer an. Ein Beispiel, das „Frontal 21” anführte: Die zu zahlende Steuer auf Sachspenden im Wert von 100.000 Euro liegt so bei 19.000 Euro. Dem gegenüber stehen Entsorgungskosten von „lediglich“ 5.000 Euro.

Auch für externe LieferantInnen besteht die günstige Möglichkeit, ihre Ladenhüter durch beispielsweise Amazon entsorgen zu lassen. So sparen sie Kosten für die Lagerung beim Logistik-Riesen oder für den Rücktransport ins eigene Lager.

 

Das wird gegen den Rücksendungswahnsinn bereits getan und was wir unternehmen können

 

Intelligente Verpackung

Das Startup LivingPacket zum Beispiel hat eine intelligente Paketbox erfunden, die wiederverwendet wird. So kann das hohe Aufkommen von Verpackungsmaterial reduziert werden. Die teure Neuverpackung, eine der Gründe für die Entsorgung von Retouren, wird so umgangen.

 

Spendenvermittlung

Solange es für Onlinehändler profitabel ist, Produkte zu vernichten, wird diese Praxis auch angewandt. Gefragt ist hier auch jede und jeder Einzelne. Unternehmen wie innatura bieten Alternativen zur sinnlosen Zerstörung von wertiger Ware. Innatura betreibt Deutschlands erste Plattform zur Vermittlung von Sachspenden wie neuwertige Retouren an gemeinnützige Organisationen.

 

6 Tipps, wie du umweltbelastende Retouren vermeiden kannst

 

1. Weniger ist mehr.

Überlege dir genau, was du bestellst und ob du das Teil auch langfristig gerne tragen wirst. Im Zweifelsfall lieber nochmal eine Nacht darüber schlafen.

2. Informiere dich!

Suche gezielt nach Informationen darüber, wie der Onlinehändler mit Retouren umgeht. Lies auch unseren Artikel über nachhaltiges Einkaufen, dort findest du Tipps, wie und wo du mehr über das Umweltbewusstsein der Shops herausfindest.

3. Schon anprobiert?

Bestell nur, wenn du sicher bist, dass dir das Kleidungsstück auch passt und du es nicht zurückschicken wirst. Viele Marken geben an, ob ein Stück größer oder kleiner ausfällt als angegeben.

4. Tauschen oder selbst verkaufen.

Falls du bei der Größe doch daneben gelegen hast oder es nicht ganz deinem Geschmack entspricht, tausche es mit Freunden oder über Plattformen wie Vinted. Vielleicht findet ja auch bald in deiner Nähe ein Kleider-Flohmarkt statt?

5. Nur Standardversand!

Wähle als Versandoption nur den Standardversand. Das gewährt eine hohe LKW-Auslastung. Nimm, wenn es geht, das Paket selbst entgegen oder lass es beim Nachbarn abgeben. So muss der Zusteller nicht unnötige zusätzliche Wege zurücklegen.

6. Denk global, kauf lokal!

Bestelle Online bei lokalen Anbietern in deiner Hood und hole die Produkte zu Fuß oder mit dem Rad ab. Du unterstützt den lokalen Einzelhandel, bekommst einen Extraportion Bewegung und bist umweltschonend unterwegs.

           

 

Quellen zu diesem Thema:

https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/umfrage_zum_online-kaufverhalten_2018-se.pdf

https://www.zdf.de/politik/frontal-21/amazon-vernichtet-tonnenweise-ware-100.html

https://www.stern.de/neon/vorankommen/nachhaltigkeit/mode-fuer-die-tonne–was-passiert-wirklich-mit-unseren-retouren–8535386.html

https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/20151123_greenpeace_modekonsum_flyer.pdf

https://biek.de/presse/meldung/rekord-weihnachten-420-millionen-sendungen-an-privatpersonen-erwartet.html

https://www.biek.de/publikationen/studien.html

https://www.innatura.org/

 https://livingpackets.com/