Peace Silk: Seide aus gewaltfreier Gewinnung

Wer sich mit nachhaltiger Mode und den verarbeiteten Materialien beschäftigt, stößt vermutlich häufiger auf den Begriff Peace Silk, die auch als Ahimsa- oder „gewaltfreie Seide“ bezeichnet wird. Sie verfügt über die gleichen positiven Eigenschaften wie herkömmliche Seide, bringt jedoch einen eindeutigen Vorteil mit sich: Sie wird hergestellt, ohne dass dafür Raupen getötet werden müssen
Text von Connie Gräf-Adams
5/28/2021
Peace SilkPeace Silk

Warum wir Seide schätzen

Wir lieben Seide für ihren luxuriösen Glanz, ihre Leichtigkeit und das hautschmeichelnde Tragegefühl. Im Sommer liegt sie angenehm kühl auf erhitzter Haut, bei winterlichen Temperaturen hält sie die Kälte ab. Um Schlaffalten, Frizzy Haare und Spliss zu vermeiden, betten wir uns nachts gerne auf Kissen aus dem edlen Naturmaterial. Allergiker und Menschen mit empfindlicher Haut wissen besonders die hypoallergenen Eigenschaften des Naturmaterials zu schätzen. Doch der Luxus hat einen hohen Preis.

Die Herstellung konventioneller Seide

Wie grausam die Gewinnung von Seide vonstatten geht, wissen leider nur die wenigsten. Seidenraupen besitzen eine ganz besondere Fähigkeit: Sie produzieren aus ihrem Speichel einen hauchdünnen, bis zu 4.000 Meter langen Faden und spinnen sich daraus in einen Kokon ein. Um das wirtschaftlich zu nutzen, wurde vor mehr 5.000 Jahren in China der Maulbeerspinner der Gattung Bombyx mori gezüchtet. Der Falter ernährt sich hauptsächlich von den Blättern des Maulbeerbaums und ist in der freien Natur nicht überlebensfähig.

In Freiheit schlüpft ein Seidenspinner, indem er sich nach abgeschlossener Verpuppung durch den Kokon frisst. Nicht so bei der herkömmlichen Seiden-Produktion: Um die Beschädigung des Fadens zu verhindern, werden die Kokons samt den lebenden Puppen mit Heißluft oder Wasserdampf behandelt. Nur wenige Tiere, die für die Nachzucht gebraucht werden, dürfen sich zum Schmetterling entwickeln und überleben.

15 tote Raupen für ein Gramm Seide

Hergestellt wird Maulbeerseide hauptsächlich in China und Indien. Insgesamt ging die Produktion in den letzten Jahren zwar um knapp die Hälfte zurück, dennoch wurden laut des Statistikportals Inserco.org allein 2019 für den Weltmarkt rund 109.000 Tonnen produziert. Davon ausgehend, dass ungefähr 15 Kokons ein Gramm Seide ergeben, mussten demnach für die Gesamtproduktion eines Jahres 1,6 Billionen Raupen ihr Leben lassen.