Nylon - alles, was du über das Material wissen musst

Nylon ist seit dem Zweiten Weltkrieg eine gefragte Kunstfaser. Aber sie basiert auf Erdöl - einem nicht erneuerbaren Rohstoff. Glücklicherweise gibt es Alternativen.
Text von Salome Kern
10/20/2021
NylonNylon

Was ist Nylon?

 

Nylon läutete das Zeitalter der synthetischen Kunstfasern ein. Es ist die erste Kunstfaser, die komplett im Labor entstanden ist: Ab 1938 wurde es für die Borsten von Zahnbürsten genutzt, zwei Jahre später auch für Seidenstrümpfe.

Nylon ist eine Kunstfaser aus Erdöl, die Bezeichnung ist der Handelsname für Polyamid 6 und 6.6, die in der Produktion für Bekleidungs- und technische Textilien eingesetzt. Damit aus dem fossilen Brennstoff eine verwertbare Faser wird, ist ein intensiver chemischer Prozess notwendig.

Während des Verfahrens entsteht erst eine Art Folie – in einem zweiten Schritt wird diese Folie in Späne gebrochen, geschmolzen und durch eine mechanische Spinndüse gezogen. So entstehen die einzelnen Polyamidfasern, die dann zu Textilien gewoben werden.

 

Für was wird Nylon verwendet?

 

Nylon hat zahlreiche Eigenschaften, die von der Textilindustrie geschätzt werden, darunter fallen ein leichtes Gewicht, geringe Feuchtigkeitsaufnahme, lange Haltbarkeit, einfache Pflege und Wäsche. Und: Nylon eine der stärksten Fasern, sehr dehnbar und elastisch. Darüber hinaus ist Nylon enorm resistent – sei es gegen Fette, Schimmel oder Schmutz. Und wer schon Nylonstrümpfe getragen hat, weiß, wie angenehm sich die glatte Oberfläche auf der Haut anfühlt.

Aufgrund dieser Eigenschaften eignet sich Nylon auch hervorragend für Sport- und Badebekleidung wie eben auch für Feinstrümpfe und Damenwäsche. Dank der Widerstandsfähigkeit wird Nylon auch gerne für robuste Outdoor-Ausrüstungen eingesetzt. Zudem wird es aufgrund der Stärke und Dehnbarkeit gerne mit anderen Fasern gemischt, um die Eigenschaften der Produkte zu verbessern. Ein Beispiel dafür sind Socken.

Außerhalb der Textilindustrie wird Nylon gerne als Material für Produkte wie Fischernetze, die Borsten von Zahnbürsten oder Regenschirme verwendet. Ursprünglich diente Nylon als Ersatz für Seide, deren Importe aus Asien durch Knappheit und Preisschwankungen gefährdet waren. Während des zweiten Weltkriegs wurde die Kunstfaser vorwiegend für militärische Produkte wie Fallschirme oder Zelte geschätzt, da sie stark und haltbar ist.

 

Welche ökologischen, sozialen und ethischen Auswirkungen hat Nylon?

 

Die Kunstfaser Nylon basiert auf Erdöl – einem nicht erneuerbaren Rohstoff. Die Gewinnung von fossilen Brennstoffen zerstört die Umwelt wie auch den Lebensraum von Tieren und Menschen. Damit ist die Modeindustrie abhängig von der schmutzigsten Industrie der Welt = der Ölindustrie.

Auch ist die Produktion von Nylon äußerst ressourcenintensiv: Um die Fasern während des Fertigungsprozesses zu kühlen, werden große Mengen an Wasser verbraucht. Ein weiterer Nachteil von Nylon: Im Produktionsprozess wird Lachgas freigesetzt, laut einem Bericht der FAZ von 2015 sind das pro Jahr 5 % bis 8 % der weltweiten Lachgasemissionen. Und dieses Treibhausgas ist laut Bundesumweltamt 300mal klimaschädlicher als Kohlendioxid.

So wie alle auf fossilen Brennstoffen basierte Kunststoffe ist auch Nylon nicht abbaubar. Chemiefasern wie Nylon geben während der Nutzungsdauer eine große Menge an Mikroplastik ab – hauptsächlich beim Waschen lösen sich die winzigen Teile und gelangen durch das Abwasser ins Ökosystem. Wird es dann nach der Entsorgung im Restmüll nicht verbrannt, zerfällt es in Mikroplastik. Das bedeutet, dass jedes zerrissene Paar Nylonstrümpfe, das wir achtlos wegwerfen, für Hunderte von Jahren nicht abgebaut wird. Zudem kann es auch dann, wenn es als Mischfaser eingesetzt wird, mit den derzeitigen Technologien nicht recycelt werden.

 

Auf was solltest du achten?

 

Grundsätzlich ist Nylon kein umweltfreundliches Material. Aber um Nylon ein längeres Leben zu ermöglichen und die Faser somit umweltfreundlicher zu machen, wurde an der Recyclingfähigkeit geforscht. Die gute Nachricht: Nylon kann immer wieder recycelt werden ohne starke Einbuße in der Qualität, verglichen mit anderen synthetischen Rohstoffen wie beispielsweise Polyester. Aus dieser Erkenntnis entwickelte sich das Material ECONYL®.

Die italienische Firma Aquafil beispielsweise begann 2011 mit der Herstellung der Faser ECONYL® und verwendet dafür synthetische Abfälle wie Industrieplastik, Stoffabfälle und Fischernetze. Diese werden recycelt und zu neuem Nylongarn, sprich ECONYL® gesponnen. Das System von Aquafil funktioniert auch mit einem geschlossenen Kreislauf, der den Wasserverbrauch und das Abwasser reduziert.

Was man jedoch beachten sollte: Auch recyceltes Nylon gibt Mikroplastikpartikel ab. Unternehmen forschen an einer Lösung, wie ECONYL® hergestellt werden kann, ohne dass es während der Nutzung oder beim Waschen Mikroteilchen verliert. Solange dies noch nicht möglich ist, empfehlen wir vor allem Produkte mit ECONYL® zu kaufen, die selten gewaschen werden. Dazu gehören Schuhe, Outdoor-Jacken oder Badebekleidung.

 

Pflanzliche Alternativen zu Nylon und ECONYL®

Ein interessanter Lösungsansatz sind pflanzlich-basierte Alternativen. Daran wird derzeit vermehrt getüftelt. Die Nachfrage nach einem umweltfreundlichen Kunststoffersatz ist hoch, was zahlreiche Unternehmen dazu inspiriert, mit pflanzlich-basierten Materialien zu experimentieren. Ein Rohstoff, der Chemiefasern in Zukunft ersetzen könnte, ist die Alge. So verwendet die Firma smartfiber in Thüringen Braunalgen aus den isländischen Fjorden, um SeaCell™ herzustellen. Die Produktion erfolgt mit dem umweltschonenden Lyocell-Verfahren. Die Regeneratfaser ist biologisch abbaubar, ein Fakt, der bei smartfiber im Fokus steht. SeaCell™ ist in der Textilindustrie allerdings noch nicht sehr weit verbreitet.

 

Welche Marken nutzen recyceltes Nylon und für was?

 

ECONYL® wird bereits häufig eingesetzt. So produziert CasaGIN Sportbekleidung aus dem recycelten Nylon, Finisterre stellt Surfwear her, allSisters verwendet es für Bademode und bei Swedish Stockings gibt es Strümpfe. 

 

Quellen zum Thema:

https://goodonyou.eco/material-guide-nylon/

https://goodonyou.eco/material-guide-econyl/ 

https://www.theguardian.com/sustainable-business/2016/may/18/recycling-nylon-bureo-patagonia-sustainable-clothing

http://www.fao.org/3/i0620e/i0620e00.htm

https://www.aquafil.com/

https://www.smartfiber.de/seacell-faser/