NaTrue – alle Infos über das Beauty Siegel

Bei NaTrue dürfen nur natürliche, bestimmte naturidentische und naturnahe Rohstoffe zur Herstellung von Natur- und Biokosmetik verwendet werden. Die genauen Anforderungen sind dabei im NaTrue-Standard festgelegt.
Text von Corinna von Bassewitz
10/27/2021
NatrueNatrue

Die Bio-Qualität von Lebensmitteln wird seit langem durch festgelegte EU-Vorschriften garantiert. So etwas fehlt bisher für die Kosmetikindustrie, denn es gibt weder offizielle noch übereinstimmende Regeln und Parameter für die Definition von Natur- und Biokosmetik. Nationale und internationale Siegel wie zum Beispiel BDHI und Ecocert kompensieren das Fehlen einer konkreten Regelung für Natur- und Bio-Kosmetik mit von ihnen festgelegten Standards. Auch das Beauty-Siegel NaTrue gehört dazu.

Die Kriterien von NaTrue gehen dabei weiter als viele andere europäische Siegel: Bei NaTrue dürfen nur natürliche, bestimmte naturidentische und naturnahe Rohstoffe zur Herstellung von Natur- und Biokosmetik verwendet werden. Zu den besonderen Merkmalen des NaTrue-Labels gehören ein genau festgelegter Mindestgehalt an authentischen Naturstoffen und ein genau festgelegter Maximalgehalt an naturnahen Rohstoffen. Die genauen Anforderungen sind dabei im NaTrue-Standard festgelegt.

 

Was steckt hinter dem NaTrue-Siegel?

 

Um VerbraucherIinnen zu helfen, authentische Natur- und Biokosmetik zu erkennen, gründeten Marken aus dem Naturkosmetiksektor 2007 in Belgien den Verein NATRUE. Gründungsmitgliedern waren die deutschen Brands Weleda, Wala, Laverana, Primavera, dalli-group und Logocos. Der eingetragene Verein NaTrue mit Sitz in Brüssel ist eine Non-Profit-Organisation der „The international Natural and Organic Cosmetics Association“, die 2008 schließlich das NaTrue-Siegel für Kosmetik- und Hygieneartikel ins Leben rief. Das Siegel ist weltweit an mittlerweile über 7.000 Produkte von über 300 Marken für Shampoos, Deos, Bodylotions, Körperöle, Duschgel, Seife, Make-up, Creme und Parfums vergeben und konzentriert sich auf die Bewertung der Inhaltsstoffe von kosmetischen Erzeugnissen. Diese sind in drei Kategorien aufgeteilt:

 

  1. Natürliche Inhaltsstoffe/Naturstoffe

Unveränderte Substanzen, die nur physikalisch oder durch Fermentierung gewonnen werden dürfen

  1. Naturidentische Inhaltsstoffe

Darunter zählen Pigmente, Mineralien und Konservierungsstoffe, die im Labor hergestellt werden, aber in der Natur vorkommen. Diese sind nur erlaubt, wenn der Aufwand, die Stoffe direkt aus der Natur zu beziehen, unverhältnismäßig aufwändig wäre. Naturidentische Inhaltsstoffe sind bei NaTrue auf einer Positivliste geführt.

  1. Naturnahe Inhaltsstoffe

Ergebnisse zugelassener chemischer Prozesse, beispielsweise durch Enzym-Fermentierung. Die Ausgangsmaterialien müssen aus der Natur stammen und Bio-Qualität haben. Sie sind gemäß NaTrue-Standards nur dann erlaubt, wenn es keine Naturstoffe gibt, die ihre Funktion übernehmen können. Naturnahe Stoffe sind unter anderem: Fette, Öle, Wachse, Lecithine und Proteine.

 

Strenge Anforderungen auch bei der Verpackung und Einwegprodukten

 

  • Verpackungen müssen auf ein Minimum beschränkt sein.
  • Verpackungen sollen möglichst wiederverwendbar sein (z.B. aus Glas, Aluminium, Papier oder Karton) und aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt sein.
  • Auch Einwegprodukte wie Feuchttücher oder Pads zum Beispiel unterliegen den NaTrue-Standards und müssen aus erneuerbaren Rohstoffen hergestellt sein.

 

Diese Stoffe sind bei NaTrue nicht erwünscht

 

Nicht zugelassen sind Stoffe aus fossilem Ursprung oder aus genetisch veränderten Organismen, sowie synthetische Parfüms, Silikone, Parabene. Tenside müssen biologisch abbaubar sei. Palmöl und Palmkernöl darf nur in Produkten verwendet werden, wenn es aus zertifizierter nachhaltiger Lieferkette oder von RSPO stammt. Der „Roundtable on Sustainable Palm Oil“ wurde 2004 vom WWF gegründet und versucht als Organisation nachhaltige Anbaumethoden für Palmöl zu fördern und so Umweltschäden, wie zum Beispiel durch Rodung, zu reduzieren. NaTrue ist seit 2020 Mitglied des RSPO. Das Siegel zertifiziert außerdem nur Produkte, die ohne Tierversuche entstanden sind. Auch Rohstoffe von toten Wirbeltieren, zum Beispiel Nerzöl, sind verboten. Zudem ist der Verkauf von NaTrue-zertifizierten Produkten in Ländern, die Tierversuche voraussetzen, zum Beispiel China, nicht gestattet. Auch Mikroplastik, das überwiegend aus fossilen Brennstoffen wie Kunststoffpolymere, die aus Mineralöl hergestellt werden, besteht, steht auf der roten Liste. All dies widerspricht den Anforderungen des NaTrue- Standards zur Herstellung authentischer natürlicher und/oder biologischer Kosmetik.

 

Nach welchen Kriterien vergibt NaTrue das Siegel?

 

Das Wichtigste zuerst: Nur ein oder zwei Produkte der Produktreihe einer Marke von NaTrue zertifizieren zu lassen, geht nicht! Um Greenwashing zu verhindern, müssen mindestens 75 Prozent aller Produkte einer Marke den NaTrue-Standards entsprechen. Auch unterscheidet NaTrue hier zwischen zwei Zertifizierungskategorien: Naturkosmetik und Bio-Kosmetik. Bei letzterer müssen die im Produkt enthaltenen natürlichen und gegebenenfalls naturnahen Stoffe pflanzlichen und tierischen Ursprungs zu mindestens 95 Prozent aus kontrolliert biologischer Erzeugung und/oder aus kontrollierter Wildsammlung stammen. Diese müssen von einer amtlich anerkannten Zertifizierungsstelle oder Behörde im Hinblick auf einen biologischen Standard oder einer biologischen Verordnung überprüft werden, die nach den Richtlinien der IFOAM (International Federation of Organic Agriculture Movements) Family of Standards zugelassen ist. Die IFOAM Family of Standards überprüfen die Bio-Beschaffenheit mit einer Bewertungsgrundlage auf ihre Qualität und Übereinstimmung mit den Prinzipien des ökologischen Landbaus hin. Fazit: Alle Produkte, die mit dem NaTrue-Label zertifiziert sind, enthalten ausschließlich 100 Prozent natürliche, naturnahe oder naturidentische Inhaltsstoffe.

 

Die Ziele des NaTrue-Siegels

 

Natürliche und biologische Kosmetikprodukte zu zertifizieren und einen international gültigen Rahmen dafür zu schaffen, die Frage der kritischen VerbraucherInnen zu beantworten: Was ist echt natürlich oder pseudo-Bio? Dieser Rahmen sieht Folgendes vor:

 

  • Förderung umweltfreundlicher und nachhaltiger Produkte, die nachwachsende Rohstoffe einsetzen, die mit Methoden wie zum Beispiel mit der Fermentierung von Enzymen verarbeitet werden, die den Grundsätzen der „grünen Chemie“ entsprechen;
  • Förderung der Verwendung von nicht gentechnisch veränderten, natürlichen und biologischen Rohstoffen;
  • Vermeidung von willkürlich genehmigten Ausnahmen für den Einsatz nicht erneuerbarer Rohstoffe (wie etwa synthetische oder halbsynthetische Substanzen);
  • Unterscheidung zwischen pseudo-Bioprodukten und authentischen, natürlichen und biologischen Kosmetikprodukten;
  • Transparenz schaffen, um VerbraucherInnen fundierte Kaufentscheidungen zu erleichtern.

 

Quellen zu diesem Thema:

https://www.natrue.org/uploads/2021/01/DE-NATRUE-Label_criteria_v3.9_January-2021.pdf

https://utopia.de/ratgeber/grundbegriffe-was-ist-bio/