5 Wege, Nachhaltigkeit in dein Badezimmer zu holen

Beauty-Produkte im Bad sind oft in Plastik verpackt und verursachen große Mengen an Müll. Wir haben ein paar einfache Tipps, wie du Nachhaltigkeit in dein Badezimmer holen kannst.
Text von Tanja Busch
6/15/2021
Nachhaltigkeit im BadezimmerNachhaltigkeit im Badezimmer

Gerade im Badezimmer finden sich viele Wegwerfprodukte aus Plastik. Das günstige Kunststoffmaterial umhüllt oft unsere Kosmetika und Körperpflegemittel, die regelmäßig nachgekauft werden.

Dabei nimmt der Verbrauch von Verpackungen in Deutschland zu. Laut Umweltbundesamt produzierten private VerbraucherInnen 2018 rund 8,9 Millionen Tonnen Verpackungsmüll. Das sind 107,7 Kilo pro Kopf – 20,6% mehr als noch 2010. Kunststoff wird nur zu 47,1% recycelt, ein großer Teil wird verbrannt.

Höchste Zeit also für umweltschonende Beauty-Produkte im Badezimmer. Wir sollten nicht abwarten, bis mehr Unternehmen plastikfreie Artikel auf den Markt bringen oder diese weniger verpackt anbieten. Es ist schon jetzt möglich, anders zu konsumieren. 5 alternative Produkte, die für Nachhaltigkeit im Bad sorgen:

 

1. Duschseife

 

Jede Person in Deutschland verbraucht durchschnittlich 11 Liter Duschgel pro Jahr. Die Flaschen kommen gerne in Plastik oder auch schon mal in recyceltem Plastik daher. Du kannst Müll zum Beispiel vermeiden, wenn du Duschgel zum Selbstabfüllen wählst. Eine Alternative: Feste Duschseifen sind verpackungsfrei und noch dazu sparsam. Reste gibst du in ein luftdurchlässiges Seifensäckchen aus Sisal. Dieses lässt sich dann als Schwamm nutzen und schäumt großzügig, wenn du damit über die Haut reibst. Anschließend zum Trocknen in die Dusche hängen. Das Material – die Naturfaser Sisal – ist übrigens biologisch abbaubar.

 

2. Deocremes

 

Sprüh-Deos sind die Nummer Eins unter den verkauften Deos. Ihre Verpackungen bestehen meist aus Plastik, das bedeutet eine große Menge Abfall. Und sie verschmutzen die Luft, wie Wissenschaftler der US-Klimabehörde NOAA 2018 in einer Studie ermittelt haben. Das liegt an bestimmten Kohlenstoffverbindungen, den sogenannten Volatile Organic Compounds (VOCs). Diese sind laut NOAA genauso schädlich für die Umwelt wie Autoabgase. Eine nachhaltige Alternative für das Badezimmer sind Deocremes. Sie gibt’s oft in kleinen Behältern, die du weiterverwenden kannst. Zusätzlicher Pluspunkt: Sie sind viel ergiebiger als Deosprays. Die Naturkosmetikmarke Ponyhütchen verwendet für die Tiegel aus Hygienegründen Kunststoffharz. Sie setzt auf ein Mehrwegsystem, um Müll zu vermeiden und einen geschlossenen Kreislauf zu schaffen. Stichwort: Zero Waste. Die Deocreme-Tiegel können an den Hersteller gesendet oder beim Händler zurückgegeben werden. Sie werden danach gereinigt und wieder verwendet.

 

Nachhaltigkeit im Badezimmer

3. Wiederverwendbare Abschminkpads

 

Wattepads zum Abschminken bestehen üblicherweise aus einem Mix aus Baumwolle und synthetischen Fasern. Sie landen nach einmaligem Gebrauch im Abfalleimer – unnötiger Müll.

Stattdessen kannst du Make-up, Mascara oder Lippenstift mit wiederverwendbaren Abschminkpads entfernen. Diese sind meist aus Bio-Baumwolle sowie Bambus und leicht zu waschen: Einfach mit Wasser und Seife reinigen oder in einem Wäschesäckchen in die Waschmaschine geben.

Wenn du dich nur wenig oder nicht wasserfest schminkst, dann kannst du ein spezielles Abschminktuch nutzen: Feinste Mikrofasern beseitigen Make-up, Schmutz und Talg – nur mit Wasser. Die Tücher können nach Gebrauch jeweils gewaschen und wiederverwendet werden.

 

4. Zahnputztabletten

 

Da Zahnpastatuben viel Plastikmüll produzieren, haben einige Anbieter bereits Verpackungen entwickelt, die nach ihren Angaben vollständig recycelbar sein sollen. Nachhaltigkeit lässt sich aber auch auf andere Weise ins Badezimmer holen – mit Zahnputztabletten, meist in Schraubgläsern oder kompostierbaren Tütchen oder sogar unverpackt.

So wendest du sie an: Einfach eine kleine Zahnputztablette so lange kauen, bis sie mit dem Speichel eine Paste gebildet hat und diese mit der angefeuchteten Zahnbürste auf den Zähnen verteilen. Dann wie gewohnt Zähneputzen, fertig. Die Tabletten gibt‘s mit oder ohne Fluorid.

 

5. Rasierhobel

 

Einwegrasierer für Frauen und Männer bestehen nicht nur aus Plastik, sondern sind meist auch in Kunststoff verpackt. Zudem sind sie nicht wiederverwendbar und belasten so unsere Umwelt. Daher ist ein Utensil wieder angesagt, das so manche von uns von ihren Großvätern kennen: der Rasierhobel. Er besteht meist aus langlebigem Edelstahl und verzichtet vollständig auf Plastik. Du musst nur die Rasierklingen nachkaufen, die meist günstiger sind als Einsätze und Einwegrasierer.

 

Auch in den Produkten selbst können Inhaltsstoffe aus Plastik stecken

 

Umfassende Nachhaltigkeit im Badezimmer bleibt ein hochgestecktes Ziel. Selbst, wenn Beauty-Produkte mit wenig Verpackungen aus Kunststoffen daherkommen, solltest du bedenken: Viele von ihnen enthalten auch Inhaltsstoffe aus Plastik.

Das sind erstens flüssige, gelöste, gel- oder wachsartige Polymere, die zum Beispiel den UV-Schutz in Gesichtscremes erhöhen oder die Deckkraft eines Make-ups optimieren. Rund 23.700 Tonnen Polymere werden in Deutschland jährlich in Kosmetika eingesetzt, wie eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT ergab. Sie stellen damit den Hauptteil der verwendeten Kunststoffarten in Kosmetika dar. Ihre Auswirkungen auf die Umwelt: noch weitestgehend ungeklärt.

Zweitens kommt in manchen Kosmetika immer noch Mikroplastik zum Einsatz, das sind feste und unlösliche synthetische Kunststoffe unter fünf Millimetern. Ob in Make-up, Lippenstift oder Highlighter: Sie befinden sich zum einen in Produkten, die auf der Haut verbleiben. Zum anderen sind sie in abwaschbaren Produkten wie Duschgel oder Shampoo, wo sie für eine cremige Textur sorgen.

922 Tonnen Mikroplastik werden pro Jahr hierzulande in Kosmetika beigemischt. Somit gelangt zwar nur ein sehr kleiner Anteil an Kosmetikpartikeln über das Abwasser in Flüsse und Meere. Dennoch darf uns das nicht egal sein, da Mikroplastik Fische und andere Lebewesen gefährdet.

VerbraucherInnen können schwer erkennen, in welcher Form und Menge Kunststoff in einem Kosmetik-Produkt enthalten ist. Es mangelt immer noch an Transparenz durch Kennzeichnungen.So viel ist sicher: Stehen in der Inhaltsstoffliste Stoffe wie zum Beispiel „Polyethylen“ (PE), „Polypropylen“ (PP), „Polyamid“ (PA) oder „Polyethylenterephtalat“ (PET) ist auf jeden Fall Mikroplastik enthalten.

 

Transparenz durch Aufklärung

 

Orientierung bietet zertifizierte Naturkosmetik, die aber noch geringe Marktanteile hat. Naturkosmetikprodukte sind frei von Erdölstoffen. Umweltzeichen wie der Blaue Engel oder das EU-Ecolabel verbieten Mikroplastik und begrenzen schwer abbaubare Polymere. Eine weitere Hilfe: Der Einkaufsratgeber des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) listet zum Beispiel auf, in welchen Kosmetika sich Mikroplastik und andere Kunststoffe verstecken. Er wird regelmäßig aktualisiert. Und mit der Codecheck-App kann man prüfen, ob die Umweltsünder in einem Produkt verborgen sind.