Nachhaltige Verpackung für Kosmetik: Glas oder rePET?

Kunststoff, Glas oder rePET: Wie ökologisch kann die Verpackung für Kosmetikprodukte sein? Wir sind der Frage nach nachhaltigen Materialien für dich auf den Grund gegangen – damit du beim nächsten Kosmetik-Einkauf genau weißt, auf was du achten solltest.
Text von Theresa Bergbauer
8/12/2021
Umweltfreundliche Verpackungen für KosmetikaUmweltfreundliche Verpackungen für Kosmetika

Produktschutz- und informationen stehen an oberster Stelle

 

Wenn es um eine nachhaltige Verpackung für Kosmetik geht, stehen HerstellerInnen oft vor einem Fragezeichen. Das Kosmetikprodukt muss nicht nur ansprechend aussehen, sondern auch so verpackt sein, dass es gegen etwaige Außeneinflüsse wie Verunreinigungen geschützt ist. Was vielen KonsumentInnen nicht bewusst ist: Kosmetikartikel unterliegen in den meisten Ländern ähnlich hohen Hygieneanforderungen wie Lebensmittel.

Aus HerstellerInnensicht muss eine Verpackung drei Kriterien erfüllen: das Produkt schützen und Informationen über das Produkt liefern. Die Tuben, Flakons und Tiegel sind durch zusätzliche Umverpackung aus Karton oder Papier geschützt, zusätzlich gibt es oft noch eine Cellophanhülle.

Die gesetzlich vorgeschriebene Auflistung der Produktinformationen muss in aller Ausführlichkeit und lesbarer Schrift auf dem Produkt selber und auf der Umverpackung aufgedruckt sein.

 

In der EU müssen folgende Informationen aufgelistet sein:

  • Firmenname
  • Firmenanschrift
  • Mindesthaltbarkeitsdatum
  • Auflistung der Inhaltsstoffe
  • Verwendungszweck
  • Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
  • Chargennummer
  • bei importierter Ware: Ursprungsland

 

Nachhaltigkeit spielt eine immer größere Rolle

 

Das Thema Nachhaltigkeit spielt bei der Kaufentscheidung für ein Produkt eine immer wichtigere Rolle. Immer mehr VerbraucherInnen lehnen Plastik als Verpackungsmaterial ab. Trotzdem ist es immer noch das am häufigsten verwendete Material. Das hat verschiedene Gründe: Kunststoff ist günstig in der Herstellung, robust und flexibel. Das Image von Plastik ist allerdings längst nicht mehr nur positiv behaftet, daher achten die meisten EndverbraucherInnen beim Shoppen von Kosmetika nicht nur auf möglichst umweltverträgliche Inhaltsstoffe, sondern auch auf das Verpackungsmaterial der Tagescreme, des Gesichtswassers oder der Körper- und haarpflege.

 

Kunststoff in den Kreislauf zurückführen

 

Der Vorteil von Kunststoffen: Sie wiegen nicht so viel wie zum Beispiel Glas und sparen daher Energie beim Transport. Kunststoffe bieten auch dem Produkt selber durch ihre Robustheit ausreichend Schutz vor Verunreinigungen. Und zu guter Letzt: Kunststoffe sind zwar nicht biologisch abbaubar, aber recycelbar und können daher dem Kreislauf wieder zugeführt werden. Kunststoff, der von VerbraucherInnen ordnungsgemäß entsorgt wird, muss nicht neu produziert werden und kann zur Herstellung neuer Verpackungen wiederverwendet werden (interner Link: Kosmetikprodukte recyceln). Immer mehr KosmetikherstellerInnen setzen daher auf recyceltes PET (rPET) als nachhaltige Verpackung.

 

Ist Glas eine umweltfreundliche Alternative zu Plastik?

 

Glas ist eine nachhaltige Verpackung für Kosmetikprodukte und scheint, eine super Alternative zu Plastik zu sein. Vor allem flüssige Formulierungen lassen sich gut in Glasbehältern aufbewahren. Ein großer Vorteil von Glas ist auch, dass es unendlich oft recycelt werden kann, ohne an Qualität einzubüßen. Dazu kommt, dass Glas sich neutral zum Inhalt verhält, das heißt, es gibt weder Gerüche noch Partikel ab.

 

Es gibt aber auch Nachteile:

  • Weißglas zum Beispiel ist lichtdurchlässig und daher nicht für lichtempfindliche Präparate geeignet, deren Haltbarkeit dadurch verringert werden kann. Kosmetikprodukte, die in Weißglas stecken, sollten deshalb an einem dunklen Ort aufbewahrt werden.
  • Glas ist sehr energieintensiv in der Herstellung und benötigt aufgrund des hohen Gewichts mehr Energie für den Transport als sie zum Beispiel für leichtere Kunststoffverpackungen erforderlich wäre.
  • Auch kann Glas zu Bruch gehen, was Verletzungen zur Folge haben kann. Glascontainer werden deshalb zum Beispiel für Bodywashes, Shampoos oder Conditioner, die unter der Dusche verwendet werden, aus Sicherheitsgründen von HerstellerInnen nicht eingesetzt.

 

Praktisch und nachhaltig: das Airless-System

 

Glas-, aber auch Kunststofffläschchen, kommen gerne als Behälter für Kosmetika in einem sogenannten Airless-Verpackungssystem zum Einsatz. Viele Naturkosmetikmarken nutzen diese Art von Verpackung, da dadurch der Kontakt der Kosmetik mit der Luft auf ein Minimum reduziert und die Verunreinigung durch unter anderem auch Bakterien verhindert wird. Ein Airless-Spender besteht aus drei Bestandteilen: Pumpkopf, Behälter, Kolben.

Airless-Systeme zeichnen sich zudem durch eine sehr gute Restentleerbarkeit aus – das heißt, man muss am Ende nicht die Verpackung zerschneiden, um noch den letzten Rest Feuchtigkeitscreme zu erwischen. Da man den Spender ganz einfach auseinander bauen kann, eignen sich diese Kosmetik-Verpackungen auch perfekt zum Wiederauffüllen.

 

Kosmetik mit Refill-Option

 

Manche KosmetikherstellerInnen bieten ihre Produkte in wiederbefüllbaren Flakons, Seifen- oder Lotionspendern an. Du als VerbraucherIn benötigst dann nur noch das Nachfüll-Produkt, das meistens in deutlich weniger Verpackung steckt. Dieses Minimum an Verpackung sorgt dafür, dass langfristig weniger Verpackungsmüll entsteht und entsorgt werden muss.

Inzwischen gibt es zum Beispiel auch die Möglichkeit Gesichtscremes in austauschbaren Tiegeln zu kaufen. Dabei wird der leere Innentiegel mithilfe einer Klick-Funktion entnommen und mit einem vollen Tiegel ausgetauscht. Die Außenverpackung bleibt bestehen wird weiter genutzt.

 

 

Hauptsache mikroplastikfrei

 

Diverse Verpackungshersteller fokussieren sich mittlerweile, mikroplastikfreie Verpackungen für Kosmetik auf den Markt zu bringen. Unter anderem arbeiten manche Unternehmen dafür mit HerstellerInnen zusammen, die sich schon seit langem auf die Entwicklung von nachhaltigen und mikroplastikfreien Materialien spezialisiert haben. Vorreiter in dieser Hinsicht ist das finnische Start-up Sulapac. Die von den beiden Gründerinnen entwickelte Verpackung besteht aus winzigen Holzchips und abbaubaren Klebstoffen – das minimalistisch-skandinavische Design macht die nachhaltigen Tiegel zu echten Hinguckern im Badezimmer.

 

Unternehmen und VerbraucherInnen müssen zusammenhalten

 

Die meisten Naturkosmetikmarken wägen sehr genau ab, welche Verpackung sich für welches Kosmetikprodukt am besten eignet. Nicht nur der Inhalt der Tiegel soll optimal geschützt sein, sondern auch die Umwelt. Viele Hersteller arbeiten daran, auf Dauer immer weniger Material zu verwenden und auf nachhaltige Alternativen wie zum Beispiel kompostierbare oder recycelte Materialien zu setzen. Diese Prozesse werden auf den jeweiligen Webseiten transparent dargestellt.

Damit das Recycling einzelner Materialien der Kosmetik-Verpackung möglich ist, braucht es aber auch die Mithilfe von uns KonsumentInnen. Denn der Recycling-Prozess kann nur dann reibungslos erfolgen, wenn das jeweilige Material in den dafür vorgesehenen Wertstoffkreislauf gegeben wird.

Was muss wo entsorgt werden?

 

  • Glas in den entsprechenden Glascontainer
  • Papier und Pappe in die Altpapiersammlung
  • Verpackungen aus Kunststoff, Metall oder Verbundstoffen in die Gelbe Tonne oder den Gelben Sack

 

Quellen zu diesem Thema:

https://www.grueneerde.com/kosmetik-verpackung.html

https://www.seismografics.de/kosmetik-verpackung/

https://www.corpack.de/nachfuellen-mit-nur-einem-klick/

https://www.gehtohne.de/biokunststoff/neue-nachhaltige-kosmetikverpackungen/

https://www.umweltbundesamt.de/themen/abfall-ressourcen/produktverantwortung-in-der-abfallwirtschaft/verpackungen/verpackungsgesetz#aufgaben-des-umweltbundesamtes-im-zusammenhang-mit-dem-verpackg