Das sind die wichtigsten Kosmetik-Siegel

Es gibt keine einheitliche Definition des Begriffs „Naturkosmetik“. Daher zertifiziert eine ganze Reihe von Siegeln echte Naturkosmetik. Wir stellen die wichtigsten vor
Text von Corinna von Bassewitz
8/12/2021
Kosmetik-SiegelKosmetik-Siegel

Die Begriffe „Naturkosmetik“, „Natürlich“ oder auch „Bio“ sind bei Kosmetika gesetzlich nicht geschützt. Daher zertifiziert gleich eine ganze Reihe von Siegeln echte Naturkosmetik. Naturkosmetik ist nicht automatisch Bio. Naturkosmetik, Bio-Kosmetik – damit bezeichnen Kosmetikfirmen meistens Produkte, die nur natürliche, umwelt- und gesundheitsschonende(re) Inhaltsstoffe enthalten und dabei bestimmten Standards genügen. Die oben genannten Begriffe sind allerdings schwammig und können wahllos verwendet werden. So gelingt es einigen Marken, auch konventionell hergestellte Produkte als „Naturkosmetik“ anzubieten. Es gibt allerdings eine Reihe von Siegeln, die Kosmetik als Naturkosmetik zertifizieren. Hier erfährst du, welche davon vertrauenswürdig sind.

 

Welche gemeinsamen Kriterien gelten für die gängigen Siegel in Deutschland?

 

In Deutschland legen die Siegel BDIH Kontrollierte Naturkosmetik, NATRUE, EcoCert und Demeter aussagekräftige Kriterien fest:

  • Natürliche Rohstoffe – der Bio-Anteil variiert allerdings
  • Verzicht auf synthetische Farb-, und Duftstoffe sowie Konservierungsstoffe (z.B. Parabene)
  • Verzicht auf erdölbasierte Inhaltsstoffe (z.B. Paraffine)
  • Verzicht auf Silikone
  • Verzicht auf gentechnisch veränderte Organismen
  • Alle Inhaltsstoffe müssen natürlichen Ursprungs oder naturidentisch sein.

Je nach Zertifizierungsstufe muss ein festgelegter Mindestanteil an Inhaltsstoffen aus Bio-Anbau stammen

  • Tierversuchsfrei
  • Möglichst umwelt- und ressourcenschonende Herstellung der Produkte
  • Möglichst umweltschonende/recycelbare Verpackungen
  • Inhaltsstoffe, die von Tieren bezogen werden, beispielsweise Kollagen aus Knochen, Knorpeln, Sehnen und Bändern, Hyaluron aus Hahnenkämmen und tierische Fette wie Rindertalg, sind tabu. Erlaubt sind hingegen Stoffe, die von Tieren produziert werden, so wie Milch oder Honig.

 

Die Siegel im Überblick

BDHI

Bereits 2001 hat der Bundesverband deutscher Industrie- und Handelsunternehmen (kurz BDIH) das Prüfsiegel entwickelt, um kontrollierte Naturkosmetik zu kennzeichnen.
Produkte, die dieses Zeichen tragen, müssen klar definierte Kriterien erfüllen.
So sollten beispielsweise pflanzliche Rohstoffe überwiegend aus ökologischem Anbau stammen. Es gibt eine Liste von 15 Rohstoffpflanzen, die nur in Bioqualität genutzt werden dürfen, darunter unter anderem Olive und Ringelblume.
 Verboten sind zudem Tierversuche – sowohl bei der Herstellung, Entwicklung als auch bei der Prüfung der Endprodukte. Synthetische Farb- und Duftstoffe, Silikone, Paraffine sowie andere Erdölprodukte sind nicht erlaubt. Wenn das Produkt zusätzlich das Wort „Bio“ im Namen trägt, müssen 95% der Inhaltsstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau stammen.

 

NaTrue

Dieses Siegel wurde 2008 von den NaturkosmetikherstellerInnen der D-A-CH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) entwickelt, ist international gültig und konzentriert sich nur auf die Inhaltsstoffe eines Produktes: Sind sie natürlich, naturnahe oder naturidentisch? Nicht zugelassen sind künstliche Inhaltsstoffe.

Natürlich: Hier handelt es sich um pflanzliche, mineralische oder tierische Rohstoffe sowie ihre Gemische und natürlichen Reaktionsprodukte – also z. B. Sanddornöl, Honig oder Ringelblumenextrakt.

Naturnah: Diese Stoffe werden durch einfache Bearbeitungsschritte aus Naturstoffen gewonnen und dürfen nur dann eingesetzt werden, wenn ihre Funktion nicht von natürlichen Substanzen übernommen werden kann. Glyzerin ist ein Beispiel.

Naturidentisch: Sie kommen zwar in der gleichen Zusammensetzung in der Natur vor, können aber nicht in der benötigten Menge oder Qualität gewonnen werden. Mithilfe chemischer Reaktionen werden diese Stoffe deshalb synthetisch nachgebildet. Sie dienen häufig als Konservierungsmittel. Sowohl der BDIH als auch NaTrue schreiben vor, dass beim Einsatz solcher Konservierungsstoffe der Zusatz: „Konserviert mit …“ auf dem Produkt stehen muss.

Um Greenwashing zu verhindern wird das NaTrue-Siegel nur an Unternehmen vergeben, deren Sortiment zu mindestens 75 Prozent den NaTrue-Standard erfüllen. Zudem werden die Produkte in drei Qualitätsstufen zertifiziert, je nachdem, wie hoch die Menge der Inhaltsstoffe aus biologischem Anbau ist, was – verbraucherfreundlich – manchmal auf der Verpackung angegeben wird:

  • Naturkosmetik
  • Naturkosmetik mit Bio-Anteil (70 Prozent und mehr)
  • Bio-Kosmetik (95 Prozent und mehr)

 

Ecocert

Der französische Zertifizierungsverband für ökologische Produkte wurde bereits 1991 gegründet und hat 2002 zusätzlich einen Standard für Kosmetik entwickelt. Das Ecocert-Siegel ist in Deutschland nicht sehr weit verbreitet.

Bei der Zertifizierung wird von Ecocert zwischen Naturkosmetik und Bio-Kosmetik unterschieden:

  • Naturkosmetik nach Ecocert-Standard muss zu mindestens 50 Prozent aus pflanzlichen Rohstoffen bestehen, mindestens 5% aller Rohstoffe müssen aus ökologischem Anbau stammen.
  • Für ein Bio-Siegel von Ecocert müssen 95 % eines Produktes aus natürlichen Stoffen bestehen, 10 Prozent davon aus biologischem Anbau.

 

Demeter

Der Bio-Verband Demeter entwarf in den 90er-Jahren erste Richtlinien mit strengen Auflagen für biodynamische Naturkosmetik. Das Siegel erhalten Kosmetikprodukte, deren Inhaltsstoffe mindestens einen Demeter-Rohstoffanteil von
 90 % haben. Der Verband soll als einer der strengsten gelten. Ein No-Go sind hier beispielsweise der Einsatz von Nanopartikeln, Mineralölen und Gentechnik.

 

Cosmos Natural

Auf internationaler Ebene garantiert der Cosmos-Standard die Einhaltung strenger Kriterien für Naturkosmetik. Cosmos Natural wurde von den fünf größten europäischen Zertifizierern – dem deutschen BDIH, den franz. Verbänden Cosmebio und Ecocert, ICEA aus Italien und der britischen Soil Association –  gegründet. Die Richtlinien sind denen des BDIH und Ecocert ähnlich. Es gibt jetzt auch ein Zusatz-Siegel, das aus zwei Komponenten besteht:
Dem bekannten Logo des Zertifizierers Cosmos Natural, der weiterhin die Prüfung durchführt. Dann gibt es eine Cosmos-Signatur, der „Cosmos Natural“ oder „Cosmos Organic“ hinzugefügt wird, je nachdem, ob es sich bei dem Produkt um Naturkosmetik oder um Bio-Kosmetik handelt. Bei letzterer müssen mindestens 95 % der pflanzlichen Inhaltsstoffe aus biologischem Anbau stammen. Die Cosmos-Siegel zeichnen eher Produkte aus dem EU-Ausland aus, als Kosmetika deutscher Herkunft.

 

NCS – Natural Cosmetics Standard

Das NCS-Siegel für Naturkosmetik wird von der Gesellschaft für angewandte Wirtschaftsethik (GfaW) vergeben und gibt es in vier verschiedenen Varianten: Neben der Standard-Zertifizierung als NCS-Naturkosmetik gibt es das Siegel auch mit dem Zusatz „Organic Quality“ (also Bio-Kosmetik) sowie „Vegan“ und in der Kombination „Vegan Organic Quality“ (also vegane Bio-Kosmetik). Die Zertifizierung übernimmt die EcoControl GmbH als unabhängige Prüfstelle. Sie kontrolliert, ob alle Voraussetzungen des NCS-Siegel erfüllt sind. Das NSC-Siegel zeichnet Naturkosmetikprodukte, wie zum Beispiel Shampoo und Seifen aus. Mindestens 60 Prozent des Naturkosmetik-Sortiments eines Herstellers müssen allerdings den NCS-Standards entsprechen. Zusätzlich können einzelne Produkte die Kennzeichen „vegan“, „bio“ oder „vegan + bio“ tragen. Hier muss der Anteil an Rohstoffen aus kontrolliert biologischem Anbau mindestens 95 Prozent betragen und deklariert sein. Die Unternehmen werden jährlich auditiert, außerdem bietet die GfaW Schulungen und Fortbildungen in Sachen Nachhaltigkeit an.

 

Siegel mit den Schwerpunktthemen „Tierschutz“ und „vegan“

 

  1. Das Siegel Hase mit schützender Hand des Deutschen Tierschutzbundes wird nur vergeben, wenn zur Entwicklung und Herstellung des fertigen Kosmetikproduktes keine Tierversuche durchgeführt wurden. Außerdem dürfen keine Inhaltsstoffe verwendet werden, die nach dem 01.01.1979 an Tieren im Auftrag des Herstellers getestet wurden.  Auch darf der Hersteller wirtschaftlich nicht von Firmen abhängig sein, die Tierversuche durchführen.
Im Gegensatz zu veganer Kosmetik sind tierische Inhaltsstoffe erlaubt, sofern diese nicht von toten Tieren stammen oder durch Tierquälerei gewonnen wurden.Ein veganes Siegel ist Hase mit schützender Hand nicht. Es will vielmehr Tierquälerei für Kosmetik-Produkte in jeglicher Form verhindern.

 

  1. Verschiedene internationale Tierschutzorganisationen gründeten 1996 gemeinsam das Siegel Leaping Bunny, darunter der Deutsche Tierschutzbund und die österreichische Organisation Vier Pfoten. Leaping Bunny ist das einzige international anerkannte Siegel, das tierversuchsfreie Produkte auszeichnet. In der EU dürfen seit 2013 fertige Produkte nicht mehr an Tieren getestet werden, Unternehmen allerdings, die Ware ins Ausland verkaufen, dürfen dort nach wie vor Tierversuche durchführen. Der Leaping Bunny wird an Unternehmen vergeben, die gar keine Tierversuche durchführen.

 

  1. Die international agierende Tierrechtorganisation PETA führt eine eigene Positivliste. Die dort aufgenommen Kosmetikfirmen müssen PETA schriftlich bestätigen, dass sie bei Endprodukt und Rohstoffen auf Tierversuche verzichten und nicht am chinesischen Markt registriert sind. Es gibt eigene Positivlisten von PETA-USA und PETA Deutschland, wobei die Kriterien dieselben sind.

 

  1. Nicht immer ist Naturkosmetik auch vegan. Die Produkte können von Tieren produzierte Rohstoffe wie Milch, Bienenwachs oder Honig enthalten. Die Veganblume, die 1990 von der Vegan Society England als Vegan Trademark ins Leben gerufen wurde, garantiert, dass das Produkt aus 100 % pflanzlichen Inhaltsstoffen besteht. Auch bei der Produktion dürfen keine tierischen Bestandteile verwendet werden. Sollte ein Betrieb sowohl vegane als auch Produkte mit tierischen Bestandteilen produzieren, müssen die Maschinen gereinigt werden, bevor sie in Berührung mit den veganen Inhaltsstoffen kommen. Die Rohstoffe dürfen natürlich nur ohne Tierversuche hergestellt werden.

 

Fairtrade – Ein Siegel für den Handel

Viele Kosmetikrohstoffe wie Palmöl, Kokosöl, Jojobaöl, Kakaobutter oder Sheabutter kommen aus Asien, Afrika und Lateinamerika. Die faire Zusammenarbeit mit den Erzeugern richtet sich gegen Dumpinglöhne und schlechte Arbeitsbedingungen. Fairtrade kennzeichnet Waren, die aus fairem Handel stammen und bei deren Herstellung bestimmte soziale, ökologische und ökonomische Kriterien eingehalten wurden. Für Produkte, die auf der Haut bleiben (Cremes, Lotionen), müssen mindestens 5 Prozent der Inhaltsstoffe aus fairem Handel stammen. Bei abwaschbaren Produkten wie Duschgel sind es wegen des höheren Wasseranteils nur 2 Prozent. Das Fairtrade-Siegel auf Kosmetik- und Pflegeprodukten darf nur in Kombination mit dem Hinweis “mit Fairtrade-Zutaten” erscheinen. Es muss außerdem angegeben werden, wie viel Prozent und welche der Inhaltsstoffe Fairtrade-zertifiziert sind.