Haare färben ohne Chemie 2.0

Pflanzliche Haartönungen sind gut verträglich und liefern schonend brillante Farbeffekte. fairlyfab erklärt, warum das so ist.
Text von Corinna von Bassewitz
5/12/2021
Haare färbenHaare färben

Warum man auf Haare färben ohne Chemie umsteigen sollte

 

Einige der Färbestoffe in konventionellen Tönungen haben sich als krebserregend oder extrem allergen erwiesen. Davon abgesehen gelangen die chemischen Substanzen, die in den Färbestoffen stecken, nach dem Ausspülen im Abwasser und schaden damit der Umwelt. Seit 2003 wurden über 180 Färbesubstanzen verboten. Für weit über 100 hat der Gesetzgeber Grenzwerte festgelegt. Hier eine (unvollständige) Liste der gängig eingesetzten grenzwertigen Substanzen in konventionellen Haarfärbemitteln:

  • Aromatische Amine wie Para-Phenylendiamine, kurz ppd können starke allergische Reaktionen auf der Kopfhaut auslösen.
  • Resorcin ist als Bindeglied in oxidativen Haarfärbemitteln enthalten. Es wirkt bakterizid und wird als gefährliche Chemikalie eingestuft.
  • Ammoniak hat einen stechenden Geruch und bricht die Hornschüppchen der Haare irreparabel auf, damit die Färbemittel in die Faserschicht des Haares durchdringen können.
  • Polyethylenglykol, kurz PEG, bezeichnet eine Reihe synthetischer Stoffe, die in vielen Kosmetika und auch Haarfärbemitteln enthalten sind. Sie können allergische Reaktionen hervorrufen und sind in der Umwelt schwer abbaubar.
  • Halogenorganische Verbindungen dienen als Konservierungsstoff und kommen aufgrund ihrer antimikrobiellen Wirkung in konventionellen Haarfärbemitteln zum Einsatz. Sie gelten auch als Kontaktallergen und können über die Haut in den Körper eindringen und allergische Reaktionen hervorrufen.

 

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Schonende Alternative: Haare färben mit Pflanzenfarben

 

Mittlerweile gibt es eine große Auswahl an pflanzlichen Haarfärbemitteln zu kaufen. Pflanzenhaarfarben wie z.B. von Radico oder Khadi verzichten auf synthetische und umweltschädliche Inhaltsstoffe, die Farben sind frei von Ammoniak, Wasserstoffperoxid, Resorcin und Parabenen. Die 1985 gegründete Zeitschrift Öko-Test bewertet regelmäßig Qualität und Glaubwürdigkeit pflanzlicher Haarfärbemittel.

Auch anhand von Siegeln wie NATRUE, BDHI-Standard (BDHI: Bundesverband deutscher Industrie- und Handelsunternehmen), ECOCERT oder demeter erkennt man zertifizierte und damit geprüfte Naturkosmetik. Zertifizierte Bio-Haarfärbemittel weisen eine Qualität hinsichtlich der Inhaltsstoffe auf, eingesetzt werden hochwertige Öle und Pflanzenextrakte aus kontrolliert biologischen Anbau: Kamille und Rhabarber für Blondtönungen; Indigo, Walnuss und Holunder färben hell- bis dunkelbraun, rötliche Reflexe erzielen Henna und Rote Bete.

 

Wie funktioniert Haare färben ohne Chemie?

 

Die meisten Pflanzenhaarfarben kommen als fein gemahlenes Pulver und werden mit heißem Wasser angerührt. Die Methode beim Auftragen ist simpel: Die Paste wird wie jede andere Tönug Scheitel für Scheitel am besten mit einem breiten flachen Pinsel in das Haar eingearbeitet. Die Einwirkzeit – die Farbpigmente legen sich wie ein Film über das Haar – variiert stark, sie kann bis zu vier Stunden betragen. Die in den Pflanzen enthaltene Gerbsäure aktiviert den Färbeeffekt verantwortlich. Möchte man diesen noch etwas verstärken, kann man anteilig dem Pulver noch etwas Obstessig hinzufügen. Nach dem Ausspülen kann man die Farbe mit einem Haaröl mit Extrakten ayurvedischer Heilpflanzen fixieren.

 

Wichtig zu wissen beim Haare färben ohne Chemie:

 

  • Pflanzenhaarfarbe wirkt auf jeder Haarstruktur anders, ein genormtes Ergebnis ist nicht vorhersehbar.
  • Pflanzenhaarfarbe ist für jeden geeignet, der auf umweltverträgliche Art seine Haare ohne chemische Zusatzstoffe färben möchte.
  • Vor dem Färben einen Allergietest machen. Denn auch pflanzliche Inhaltsstoffe können Reaktionen hervorrufen. Wie das geht, ist in den Beipackzetteln der meisten Produkte beschrieben.
  • Haare färben ohne Chemie funktioniert am besten bei hell- oder dunkelblondem Haar mit einer feinen Struktur.
  • Grauabdeckung ist nicht immer gegeben.
  • Pflanzenhaarfarbe kann keine extremen Farbveränderungen erzielen, also weder sehr viel dunkler färben oder dunkles Haar aufhellen.
  • Auch vorher chemisch gefärbtes Haar kann mit Pflanzenfarbe behandelt werden. Man sollte aber bis zu vier Wochen zwischen den Färbeprozessen verstreichen lassen, um ein ebenmäßiges Farbergebnis zu erreichen.