FSC Siegel - der erste Standard für nachhaltige Forstwirtschaft

Jeder von uns hat mit Sicherheit schon einmal ein Produkt gekauft, das ein FSC Siegel hatte, sei es ein Heft, ein Saftkarton oder sogar der Küchentisch. Die meisten wissen auch, dass es irgendetwas mit Wald und Holz zu tun hat. Deshalb wird es die ein oder andere Person jetzt vielleicht wundern, dass auch immer mehr Kleidungsstücke in Zukunft das Siegel bekommen könnten. Kleidung hat ja schließlich nichts mit Holz zu tun. Oder doch?
Text von Maya Classen
11/5/2021
FCS SiegelFCS Siegel

Wofür steht FSC?

 

Die Abkürzung FSC steht für Forest Stewardship Council (wörtlich übersetzt “Wald Verwaltungsrat”) und ist eine Organisation, die sich seit über 25 Jahren schon für eine nachhaltige Forstwirtschaft einsetzt. Ziel ist es, die Wälder dieser Welt so zu bewirtschaften, dass Menschen und Natur langfristig von ihnen profitieren können. Forstbetriebe, die ihr Holz mit dem FSC Siegel verkaufen wollen, können sich entsprechend zertifizieren lassen. Um das zu ermöglichen, müssen sie die Kriterien des nationalen FSC Standards erfüllen, der sich an den 10 Prinzipien des FSC orientiert, die wir hier in einer Schnellversion vorstellen.

 

Die 10 Prinzipien

 

Um zu verstehen, was hinter dem FSC Siegel steckt, haben wir versucht die 10 Prinzipien des FSC Standards in aller Kürze zusammenzufassen. Obwohl die meisten davon selbsterklärend scheinen, gibt es doch einige Besonderheiten.

 

1. Einhaltung der Gesetze

Der Wald wird gemäß nationaler und internationaler Gesetze und der FSC Kriterien bewirtschaftet und wird vor illegaler Nutzung geschützt.

 

2. Arbeitnehmerrechte und Arbeitsbedingungen

Wie auch bei anderen Siegeln gibt es hier einen Abschnitt zur Gleichberechtigung, Vergütung und Sicherheit und Gesundheit der ArbeitnehmerInnen in Forstbetrieben. Der FSC Standard orientiert sich dabei an Empfehlungen der Internationalen Arbeitsorganisation. Ob das ausreicht, um Existenzlöhne und faire Arbeitszeiten zu garantieren, sei hier mal in den Raum gestellt.

 

3. Rechte indigener Völker

Es ist traurig, dass dieses Prinzip eine Besonderheit ist, denn die Rechte indigener Völker werden häufig übergangen. Dafür ist es umso wichtiger, dass dieses Prinzip existiert. Hierbei geht es vor allem um den Schutz von und Respekt vor der Land- und Ressourcennutzung von indigenen Völkern.

 

4. Beziehungen zur lokalen Bevölkerung

Der Forstbetrieb soll zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung der unmittelbaren Bevölkerung beitragen. Dazu gehört zum Beispiel das Schaffen von Arbeits- und Ausbildungsplätzen.

 

5. Leistungen des Waldes

Die Leistungen des Waldes sind sein wirtschaftlicher und sozialer Nutzen für die Bevölkerung, aber auch seine ökologischen Leistungen, die der Forstbetrieb fördern und schützen soll.

 

6. Auswirkungen auf die Umwelt

Mit Hilfe von Risikoabschätzungen und anderen Maßnahmen sollen negative Auswirkungen durch Bewirtschaftung vermieden werden und gefährdete Tier- und Pflanzenarten geschützt werden.

 

7. Management und Monitoring + Bewertung

Diese zwei Prinzipien gehen Hand in Hand, da das Management auf den Monitoring-Ergebnissen basiert. Der Forstbetrieb muss Leitbild und Ziele für die Bewirtschaftung des Waldes festlegen, die ökologisch verträglich, sozial förderlich und wirtschaftlich sind und mit Hilfe von Monitoring neu angepasst werden können, sollten die Rahmenbedingungen sich ändern.

 

8. Besondere Schutzwerte

Zu den besonderen Schutzwerten zählen unter anderem Artenvielfalt, Ökosysteme und kulturelle Werte. Diese müssen vom Forstbetrieb erkannt werden und Bewirtschaftungsmaßnahmen so angepasst werden, dass der Erhalt dieser Schutzwerte gewährleistet werden kann.

 

9. Umsetzung von Bewirtschaftungsmaßnahmen

Im letzten Prinzip geht es um die Umsetzung. Die Bewirtschaftung des Waldes muss letztendlich – unter Einhaltung der FSC Prinzipien – im Einklang mit den sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Zielen des Forstbetriebs stattfinden.

 

10. Welche Relevanz hat das FSC Siegel in der Modeindustrie?

Als Regeneratfasern oder auch regenerative Zellulosefasern werden Fasern bezeichnet, die meist aus der Zellulose aus Holz gewonnen werden. Wem das noch nichts sagt hat aber bestimmt schon einmal von Viskose, Modal, Lyocell oder auch TENCEL™ gehört. Während Viskose in der nachhaltigen Modeindustrie nicht gern gesehen wird, erfreut sich Lyocell (auch unter dem Trademark TENCEL™ der Firma Lenzing bekannt) immer größerer Beliebtheit, da in diesem Verfahren die Chemikalien in einem fast geschlossenen Kreislauf zurückgeführt und wiederverwendet werden. Die kanadische Organisation Canopy (canopyplanet.org) prangerte außerdem an, dass in der Vergangenheit für die Gewinnung von Regeneratfasern Urwälder und gefährdete Wälder gerodet wurden. Mit dem FSC Siegel für Textilien soll also sichergestellt werden, dass die Fasern aus kontrolliert ökologischer, sozialer und ökonomischer Forstwirtschaft kommen.

 

Was darf mit dem FSC Siegel beworben werden?

 

Für KonsumentInnen gibt es drei verschiedene Abstufungen, in denen Produkte mit dem FSC Siegel gekennzeichnet werden dürfen.

 

  • FSC Recycled: Ein Produkt mit dieser Kennzeichnung besteht ausschließlich aus recycelten Materialien.
  • FSC MIX: Hier dürfen Materialien aus FSC-zertifizierten Wäldern, anderen kontrollierten Quellen oder FSC-anerkanntem Recycling kommen. Der Großteil des in der Produktion verarbeiteten Materials, mindestens 70%, muss aber entweder aus FSC-zertifizierten Wäldern oder von Recyclingmaterial stammen
  • FSC 100%: Alle Materialien, die in diesem Produkt verwendet wurden, stammen aus FSC-zertifizierten Wäldern.