Fast Fashion vs. Slow Fashion

Schnelllebige Modetrends sind Müll von morgen: Fast Fashion schadet der Umwelt und den ArbeiterInnen. Fair, nachhaltig, langlebig: Slow Fashion macht sich fit für die Zukunft.
Text von Corinna von Bassewitz
5/16/2021
Fast fashion vs. slow fashionFast fashion vs. slow fashion

Was bedeutet Fast Fashion?

 

Fast Fashion ist ein Phänomen aus der Modeindustrie, das sich in den vergangenen 20 Jahren rasant ausgebreitet hat. Die weltweite Textilproduktion hat sich seit dem Jahre 2000 mehr als verdoppelt. Bis zu 24 neue Kollektionen spülen allein die gängigen Modegiganten mittlerweile jährlich auf den Markt. Ihr Ziel: durch kurzlebige Trends den Kaufanreiz bei den VerbraucherInnen anzustacheln. Laut Greenpeace besitzt jede erwachsene Person (18–69 Jahre) in Deutschland im Schnitt 95 Kleidungsstücke (ohne Unterwäsche und Socken). Das sind etwa 5,2 Milliarden Teile allein in Deutschland.

 

Fast Fashion wächst rasant

 

Ohne Polyester, das billig in der Herstellung ist, wäre das atemberaubende Wachstum des Fast Fashion-Marktes nicht möglich gewesen. Polyester erlaubt Mode zum Schnäppchenpreis. Im Jahr 2000 wurden weltweit 8,3 Millionen Tonnen Polyester für die Herstellung von Kleidungsstücken eingesetzt. 19 Jahre später waren es bereits fast 25 Millionen Tonnen. Über 60 Prozent beträgt heute der Anteil des Einsatzes an der Chemiefaser zum Beispiel in der deutschen Textilindustrie. Die Kombination aus geringer Qualität und niedrigen Preisen führt zu einer kürzeren Nutzungsdauer. Wir haben Spaß daran, uns nach der neuesten Mode zu kleiden. Doch müssen wir wirklich acht Mal im Jahr neue Kleidung kaufen?

Auch Social Media trug in den letzten Jahren zum rasanten Wachstum des Marktes bei. Viele der InfluencerInnen tragen ein Outfit nur einmal für einen Post, um es dann nie wieder in Gebrauch zu nehmen. 40 Prozent der VerbraucherInnen gaben bei einer Befragung von Greenpeace an, sich von ihren Kleidungsstücken zu trennen, weil sie nicht mehr der Mode entsprechen. Über 1,3 Millionen Tonnen Kleidung enden so in Deutschland jährlich auf dem Müll.

 

Fast Fashion schadet der Umwelt

 

Polyester, das in rund 60 Prozent unserer Kleidung steckt, wird aus nicht-erneuerbaren fossilen Brennstoffen hergestellt. Die CO2-Emissionen sind bei der Produktion von Chemiefasern fast dreimal so hoch wie bei der Herstellung von Baumwolle. 70 Prozent der Emissionen sind auf die Produktion von Rohstoffen, Verarbeitung und Veredelung zurückzuführen. Und nicht nur das. Synthetische Mikrofasern von Fleece-Jacken beispielsweise, aber auch von Sportbekleidung, die in den meisten Fällen aus Polyester besteht und oft gewaschen wird, lösen sich in der Waschmaschine und gelangen über das Abwasser in die Flüsse und am Ende ins Meer. Mit einer 5-Kilogramm-Ladung mit synthetischen Stoffen können bis zu sechs Millionen Mikropartikel freigesetzt werden, die in die Umwelt gelangen.

Mikroplastik konnte auch bereits in Nahrungsmitteln nachgewiesen werden. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland wies nach, dass rund 35 Prozent des gesamten Mikroplastik in den Meeren auf das Waschen von synthetischen Textilien zurückzuführen ist.

 

Slow Fashion

Fast Fashion muss enden

 

Die Modeindustrie ist eine der umweltschädigendsten Industrien der Welt. Allein im Jahr 2015 verbrauchte die 79 Milliarden Kubikmeter an Wasser, setzte 1,715 Millionen Tonnen CO2 frei und produzierte 92 Millionen Tonnen Abfall, fand die Boston Consulting Group heraus. Darüber hinaus ist die Industrie von sozialen und ethischen Problemen geplagt – das reicht von Geschlechterungleichheit und Ausbeutung der ArbeiterInnen über Diskriminierung bis hin zu Gefährdung der Arbeiter durch giftige Abfälle und Chemikalien.

Bis 2030, so eine Wachstumsprognose der UN, wird die globale Produktion an Kleidung um 63 Prozent steigen – das hieße von 62 Millionen Tonnen täglich auf 102 Millionen Tonnen (das entspräche etwa 500 Milliarden T-Shirts täglich).

Und der Berg mit textilen Abfällen wächst mit Konsequenzen für Menschen und Umwelt mit. Der Großteil von Fast Fashion-Kleidung wird aus synthetischen, nicht-abbaubaren Fasern hergestellt, die bis zu 200 Jahre auf einem Müllberg überleben können.

Während des endlos dauernden Zerseztungsprozesses gelangen Chemikalien und Mikroplastik in die Böden, die unter Umständen auch Methangas abgeben können. Das belastet nicht nur die Umwelt, sondern auch die Bevölkerung in den umliegenden Ansiedlungen.

 

Gegenentwurf zu Fast Fashion: Slow Fashion

 

Das Konzept „Slow Fashion“ basiert auf der Bewegung „Slow Food“, die 1986 von Carlo Petrini in Italien ins Leben gerufen wurde. Slow Food verbindet die Freude am Essen mit Achtsamkeit und Verantwortungsgefühl für die Umwelt. Slow Fashion verbindet Freude an Mode mit Achtsamkeit und Verantwortungsgefühl für die Menschen innerhalb der Lieferketten, die Tiere und die Natur.

Der Begriff „Slow Fashion“ wurde 2007 in einem Artikel von Kate Fletcher in der britischen Zeitschrift The Ecologist geprägt. Kate Fletcher ist nicht nur Autorin, die Akademikerin lehrt auch an der University of the Arts in London und forscht am Center for Sustainable Fashion in London.

Im Gegensatz zu Fast Fashion konzentriert sich Slow Fashion auf die umweltschonende Herstellung qualitativ hochwertiger Kleidung mit einer langen Lebensdauer. Die ProduzentInnen von Slow Fashion-Teilen verwenden dabei umweltfreundliche Materialien wie:

  • pestizidfreie Bio-Baumwolle von kleinen landwirtschaftlichen Betrieben
  • recyceltes Polyester
  • Peace Silk, Seide, bei denen die Raupen nicht getötet werden
  • Wolle, die von Schafen stammt, bei denen die umstrittene Praxis des „Mulesing“ nicht angewandt wurde
  • natürliche Färbemittel und umweltfreundliche Bleichmittel

Produziert wird möglichst lokal, um die CO2-Emissionen langer Transport- und Lieferwege zu reduzieren. Transparenz wird ebenfalls großgeschrieben. Die meisten Vorreiter in Sachen nachhaltig produzierter Mode legen den Herstellungsprozess offen, die Wertschöpfungskette kann im besten Fall von der Gewinnung der Rohstoffe über Offenlegung der Arbeitsbedingungen bis hin zur finalen Herstellung nachverfolgt werden.

 

Umsteigen auf Slow Fashion

 

Die Slow Fashion-Bewegung zielt darauf ab, Konsum zu reduzieren und die Umwelt zu schonen. Es gibt ein paar einfache Möglichkeiten, auf Slow Fashion umzusteigen:

  • Kleidung, die man bereits besitzt, länger tragen
  • Vintage oder Secondhand kaufen
  • Kleidung tauschen, leihen, mieten oder wiederverkaufen auf Plattformen wie Depop, Ebay Kleinanzeigen, Kleiderkreisel & Co.
  • Mode bei kleinen lokalen Herstellern beziehen
  • Kleidung reparieren, selber nähen, upcyceln oder recyceln
  • Qualitativ hochwertige Kleidungsstücke kaufen, die länger halten
  • Bewusst konsumieren: Weniger ist mehr!
  • Kleidungsstücke aus recycelten Materialien aus der Kreislaufwirtschaft kaufen oder aus 100% Monofasern wie Baumwolle, die recycelt werden können
  • Sich über Produktionsstätten- und land, Herstellungsverfahren, Materialzusammensetzung und Lieferketten informieren

 

Slow Fashion Bewegungen – Mitmachen!

 

2014 schloss sich Deutschland der globalen Initiative „Fashion Revolution“ mit mittlerweile fast 100 Länder-Teams die sich ehrenamtlich einsetzen, an, um auf die prekären Arbeitsbedingungen in Niedriglohnländern aufmerksam zu machen. „Fashion Revolution“ wurde am 24. April 2013 nach dem fatalen Einsturz des Rana Plaza in Bangladesch, bei dem über 1000 Menschen ums Leben kamen, gegründet. Seitdem wird jährlich Ende April innerhalb der „Fashion Revolution Week“ der „Fashion Revolution Day“ begangen, bei dem Menschen aus 68 Ländern ihre Kleidung auf links tragen, um auf „made in …“ (Bangladesh, China, India)“ auf die Missstände in der Fast Fashion Industrie hinzuweisen. Und der „Second Hand September“ der internationalen Not- und Entwicklungshilfeorganisation Oxfam ruft jeden September VerbrauerInnen dazu auf, 30 Tage lang nur Second Hand zu kaufen. Das Bewusstsein, dass sich in unserem Kaufverhalten etwas ändern muss, wächst. Nur wenn wir etwas ändern, können wir die Fast Fashion Industrie in Zukunft in ihre Schranken weisen.