EU Ecolabel - das bedeutet das nachhaltige Siegel

Das EU Ecolabel wurde 1992 ins Leben gerufen und kennzeichnet zahlreiche verschiedene Produkte und Dienstleistungen. Das Umweltzeichen für die Europäische Union stellt besonders hohe Anforderungen an Umwelt und Glaubwürdigkeit. Allerdings variieren die Kriterien für die Sozialverträglichkeit je nach Produktgruppe stark. Gerade im Bereich Textilien werden ArbeiterInnen zu wenig vor Arbeitsmissbrauch geschützt.
Text von Salome Kern
11/8/2021
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Was ist das EU Ecolabel?

 

Das EU Ecolabel ist ein Umweltzeichen, das in allen 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union wie auch Norwegen, Liechtenstein und Island anerkannt ist. Mit dem Siegel werden auf freiwilliger Basis Produkte, aber auch Dienstleistungen zertifiziert, die eine geringere Umweltauswirkung als vergleichbare Produkte haben.

Neben Textilien und Schuhen können Reinigungsprodukte, Möbel, Elektrogeräte, Schmierstoffe, Farben und Lacke, aber auch Beherbungsbetriebe und Campingplätze mit dem EU Ecolabel gekennzeichnet werden. So haben KonsumentInnen die Möglichkeit, nicht nur umweltfreundlich einzukaufen, sondern auch bei der Ferienplanung nachhaltige Aspekte miteinzubeziehen. Wegen der blumengleichen Form des Logos ist das Label auch unter den Namen Euro-Blume oder EU-Blume bekannt.

 

Nach diesen Kriterien wird das EU Ecolabel vergeben

 

Die Kriterien des EU Ecolabels für die Vergabe unterscheiden sich je nach Bereich: So definiert es bei Textilien Anforderungen an umweltschonende Prozesse entlang des gesamten Lebenszyklus eines Produktes. Das bedeutet, dass die Phasen der Gewinnung von Rohstoffen, der Textilherstellungsprozess sowie die Nutzungsphase von dem Siegel abgedeckt werden. Allerdings ist der Bereich Textilien erst seit 2014 Teil des Labels, daher ist es in der Modebranche noch nicht sehr weit verbreitet.

Ein Beispiel für das EU Ecolabel in der Fashion-Industrie sind die Kinderschuhe von Kavat. Die schwedische Marke produziert seit 2008 gemäß den Richtlinien des Siegels und gehört so zu den Pionieren in Sachen umweltfreundliche Schuhe. Mittlerweile sind mehr als 100 Modelle von Kavat mit dem EU Ecolabel gekennzeichnet. 

 

Umweltfreundlichere Produkte sind das Ziel des Siegels

 

Das Ziel ist es, den VerbraucherInnen die Möglichkeit zu geben, umweltfreundlichere und gesündere Produkte einfacher identifizieren zu können, ohne von der Vielzahl an Siegeln verunsichert zu werden. Allerdings deckt ein einziges Siegel häufig nicht alle Nachhaltigkeitsbereich ab, weshalb es sich lohnt Siegel zu kombinieren, um Natur, Mensch und Tier gleichermaßen zu schützen. (Erfahre mehr zu den Siegeln in der Textilindustrie)

Zudem soll das EU Ecolabel den Übergang zur Kreislaufwirtschaft in der EU fördern und so HerstellerInnen dazu animieren Produkte zu erzeugen, die weniger CO2 und Abfall verursachen und einfacher wiederzuverwerten sind. Auch werden sie angehalten, effizienter mit Energie, Wasser und Rohstoffen umzugehen. Der Einsatz von bestimmten Schadstoffen ist deswegen teilweise ganz verboten, oder es müssen vorgegebene Grenzwerte eingehalten werden.

 

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Jährliche Kontrollen sollen sicherstellen, dass das Produkt so hergestellt wird, wie bei der Zertifizierung angegeben wurde. Die Kontrollen erfolgen stichprobenartig und werden von Inspektoren der föderalen Umweltinspektion durchgeführt. Der Kontrollbericht wird anschließend nochmals von eine einer unabhängigen und akkreditierten Zertifizierungsstelle überprüft. Gibt es Änderungen, sind die Unternehmen verpflichtet, diese zu melden. Werden Vergabekriterien missachtet, hat das für das Unternehmen Sanktionen als Konsequenz.

 

Hohe Anforderungen im Bereich Umwelt, aber keine Begrenzung der Arbeitszeit

 

Das offizielle Umweltzeichen der Europäischen Union erfüllt gemäß siegelklarheit.de besonders hohe Anforderungen in den Bereichen Glaubwürdigkeit und Umwelt. Nicht komplett erfüllt werden laut siegelklarheit.de die Mindestanforderungen zur Sozialverträglichkeit. ArbeiterInnen werden vor dem Risiko der modernen Sklaverei nicht ausreichend geschützt. (Warum Moderne Sklaverei uns alle betrifft)

Das Verbraucherportal kritisiert, dass in der Kategorie Textilien eine Begrenzung der Arbeitszeit fehle. Ein schriftlicher Arbeitsvertrag ist nicht vorausgesetzt und auch Rechte für ArbeiterInnen, die über ein Subunternehmen eingestellt werden, fehlen. Da in der Textilbranche NäherInnen unangemessen lange Arbeitstage wie auch übermäßig Überstunden leisten müssen, ist dieser Aspekt für eine Zertifizierung im Bereich Nachhaltigkeit ist nicht nur enorm wichtig, sondern eine Grundvoraussetzung, die eine Zertifizierung erfüllen sollte. Jene Sozialstandards, die das Siegel vorgibt, gelten nur für die sogenannte CMT-Phase (zuschneiden, nähen, fertigstellen) und nicht für die vorherigen Produktionsschritte.

 

Die Kriterien für Baumwolle und Viskose sind nicht streng genug

 

Beim EU Ecolabel ist ausdrücklich vorgesehen, dass Prüfberichte und Untersuchungen der Label-Nehmer und deren ZuliefererInnen selbst erstellt werden dürfen. Das stößt auf Kritik: So wird laut dem technischen Bericht der Europäischen Union zur “Revision of the European Ecolabel and Green Public Procurement (GPP) Criteria for Textile Products” beispielsweise Baumwolle oft nicht bis zu den LandwirtInnen zurückverfolgt, sondern Vertrauen in die Selbstdeklaration gesetzt. Stattdessen wird vorgeschlagen, dass Transaktionszertifikate sowie die die EU-Verordnung 834/2007 als Nachweis der Hauptprüfungsweg für dieses Kriterium sein sollten.

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Ein weiterer Kritikpunkt am EU Ecolabel sind die Vorgaben für Viskose. So müssen nur 25 Prozent der Hölzer für die Cellulose aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen, was einem sehr geringen Anteil entspricht. Für die verbleibenden 75 Prozent reicht Holz von legaler Forstwirtschaft oder Plantagen. Auch das Abwassermanagement bei der Produktion von Viskose ist nicht ausreichend streng geregelt. Der Report False Promise von Changing Markets fordert daher eine Überarbeitung der Kriterien für Viskose. (Wie umweltfreundlich ist Viskose?) Für KonsumentInnen bedeutet das zurzeit noch, dass sie bei Produkten mit Viskose trotz des EU Ecolabels genau hinschauen sollten. 

 

Kombination von Siegeln für mehr Nachhaltigkeit

 

Das EU Ecolabel bietet per se eine gute Orientierung für alle, die sich für umweltfreundliche Produkte interessieren. Es gilt für viele Bereiche als eines der Siegel mit den strengsten Auflagen. Der Fokus liegt besonders auf den umwelttechnischen Prozessen und dem Lebenszyklus eines Produkts, während Sozialstandards fehlen. Als KonsumentIn kann man aber Marken wählen, die neben dem EU Ecolabel zusätzliche Siegel führen, um so alle Aspekte zu berücksichtigen.

So setzen beispielsweise das Fairtrade-Siegel oder die Fair Wear Foundation existenzsichernde Löhne voraus und fördern nachhaltige Arbeitsbedingungen. Das PETA Approved Vegan Label tragen nur vegane Produkte, während das GOTS-Siegel artgerechte Tierhaltung vorgibt.

 

So ist das EU Ecolabel entstanden

 

Das EU Ecolabel wurde 1992 von der Europäischen Kommission beschlossen, in den darauffolgenden zwei Jahren wurden die Grundlage für seine Implementierung geschaffen. Heute ist das EU Ecolabelling Board (EUEB) das oberste Gremium für das Siegel. Das Board setzt sich aus Vertretern der EU-Mitgliedsstaaten und weiteren Mitgliedern aus Industrie, Umwelt und Verbraucherverbänden, Gewerkschaften, kleinen und mittleren Betrieben und dem Handel zusammen. Produkte, die von der deutschen Vergabestelle das Umweltzeichen erhalten haben, dürfen das Logo der EU-Blume tragen.

 

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Das Siegel ist für alle gedacht, die Produkte im europäischen Wirtschaftsraum vertreiben. Gemäß eigenen Angaben waren im Jahr 2020 25 Produktgruppen mit mehr als 70’000 Produkten und Dienstleistungen gekennzeichnet. Um technische Entwicklungen miteinzubeziehen, haben die Verantwortlichen die Aufgabe, die Kriterien alle vier Jahre zu überarbeiten. Diese sind in den Beschlüssen auf der Webseite zu finden. So dürfen beispielsweise für Schuhe keine PVC-Kunststoffe verwendet werden. Auch ein maximaler Verbrauch von Wasser beim Gerben von Tierhäuten ist vorgegeben. Und bei Textilien dürfen beispielsweise zum Bleichen keine Chlorbleichmittel verwendet werden, ausgenommen sind dabei künstliche Zellulosefasern.

Das EU-Umweltzeichen gehört zu den sogenannten Typ-1-Umweltzeichen gemäß ISO Norm 1402. Das entspricht der höchsten Gütekategorie für Umweltzeichen, demselben Standard ist auch das deutsche Siegel Blauer Engel angeschlossen. Das EU Ecolabel ist damit ein empfehlenswertes Siegel: Es erfüllt einerseits hohe umwelttechnische Standards und betrachtet andererseits den gesamten Lebenszyklus eines Produkts.

 

Quellen:

https://www.siegelklarheit.de/24-eu-ecolabel-textilien

https://eu-ecolabel.de/

https://ec.europa.eu/environment/ecolabel/documents/140124%20Ecolabel%20Textiles_Technical%20report%20final.pdf 

https://www.bmu.de/themen/wirtschaft-produkte-ressourcen-tourismus/produkte-und-konsum/eu-umweltzeichen-eu-ecolabel/

https://changingmarkets.org/wp-content/uploads/2018/05/False-promise_full-report-ENG.pdf

https://kavat.com/